Sonia Wieder-Atherton wurde als Tochter einer rumänisch-jüdischen Mutter und eines amerikanischen Universitätsprofessors in den USA geboren und wuchs in Paris auf, wo sie ihr Musikstudium begann. Ihren Abschluss machte sie schließlich am Konservatorium in Moskau. So vielfältig wie ihr kultureller Background ist auch das Repertoire der international gefragten Solistin, die sich stilsicher zwischen Tradition und Gegenwart bewegt. Ihre ganze Kreativität entfaltete sie zuletzt mit Neuinterpretationen von Nina Simone, aber auch Marguerite Duras, deren Texte sie gemeinsam mit Fanny Ardant zum Klingen brachte.
Mit den Leçons de Ténèbres von François Couperin (1713–1717) rückt Wieder-Atherton ein Schlüsselwerk der geistlichen Musik des 18. Jahrhunderts in den Mittelpunkt. Die Stücke beruhen auf den Klageliedern des Propheten Jeremia und gehören zu einer Liturgie der Karwoche: Dabei wurden fünfzehn Kerzen nacheinander gelöscht, bis sich die Feier in Dunkelheit verlor, bevor das Tageslicht allmählich zurückkehrte.
Zum Schluss kontert Wieder-Atherton die düstere Stimmung mit dem phantasmagorischen Schillern ihrer Celloklänge. Begleitet wird die Solistin von Nicolas Worms am Synthesizer und dem Schlagzeuger Dominique Mahut, der mit renommierten Künstlern wie Barbara oder Jacques Higelin arbeitete. Die "dramatische Kraft" der Vivaldi-Stücke evoziert das aktuelle Geschehen in seiner vollen Dramatik und schafft gleichzeitig Raum für Hoffnung.
Programm:
François Couperin - Leçons de Ténèbres
Antonio Vivaldi – Transkription von Werken
Aufzeichnung vom 31. März 2026 in der Philharmonie de Paris