Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker verbindet eine außergewöhnlich intensive Zusammenarbeit, in deren Zentrum seit einigen Jahren die Orchesterwerke von Johannes Brahms stehen. Auch bei den Salzburger Festspielen 2026, für die Augustin Hadelich als Solist eingeladen wurde, erklingen zwei seiner bedeutendsten Werke: das Violinkonzert in D-Dur op. 77 und die erste Sinfonie in c-Moll op. 68.
Beide Werke stehen unter dem Einfluss Beethovens. Die Auseinandersetzung mit dessen Werk und die Ehrfurcht vor der übermächtigen sinfonischen Tradition erklären, warum sich Brahms erst spät der Sinfonie zuwandte und fast 15 Jahre benötigte, um seine Erste zu vollenden. Heute steht außer Frage, dass er die Sinfonik nicht nur fortführte, sondern entscheidend erneuerte: Die erste Sinfonie verbindet strukturelle Strenge mit einer unverwechselbaren schöpferischen Sprache.
Dieser kompositorische Ansatz zeigt sich auch im Violinkonzert, Brahms’ einzigem Beitrag zur Gattung. Das Werk ist seinem Freund Joseph Joachim gewidmet, einem der größten Violinvirtuosen seiner Zeit. Trotz der Bezeichnung als „Concert für Violine mit Begleitung des Orchesters“ agiert das Orchester als gleichberechtigter Partner, ohne die Führungsrolle der Violine zu schmälern. Virtuosität als Selbstzweck ist Brahms fremd; umso mehr zählt die Verbindung von Brillanz und Tiefe, wie sie Augustin Hadelich auszeichnet.
Programm:
Johannes Brahms - Violinkonzert D-Dur op. 77
Johannes Brahms - Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68
Aufnahme des Konzerts vom 23. August 2026, Salzburg