Es war ein sogenannter „Signature-Strike“, der Rafiqs Mutter traf. Das bedeutet, dass das Ziel des Angriffs weder namentlich anvisiert oder als Einzelperson identifiziert worden ist. Die Drohne sucht vielmehr vor Ort nach geografischen Aktivitäten oder verdächtigen Merkmalen, den „Signatures“: Werden diese als Verhaltensmuster für terroristischen Aktivitäten oder feindlichen Kräfte erkannt, dann erfolgt die Genehmigung zum Angriff – ein Drohnenpilot löst ihn aus, damals aus tausenden Kilometern Entfernung. Ein Mann mit einem Werkzeug kann als Kämpfer identifiziert werden, eine Hochzeit als feindliche Versammlung.
Schon damals hörten die Menschen auf, sich draußen zu versammeln, und die Kinder zum Spielen rauszuschicken. Früher kostete eine Drohne Millionen, die kleinsten Drohnen heute kann man schon für ein paar hundert Euro kaufen. Man baut sie zusammen und steuert sie mit einem Headset und einem Controller. In der Ukraine, im Iran, im Gazastreifen fliegen täglich Tausende von ihnen, sie beobachten, erkennen Ziele, schlagen zu. Durch sie gelingt es auch der schwächeren Seite, unendlich teurere Ziele zu zerstören. Ich denke oft an Rafiq zurück, an das Foto von seiner Mutter in seinen Händen, das letzte, dass er von ihr besaß. Es war der Beginn der neuen Art Krieg zu führen, mit Drohnen. Wie lange werden wir noch ohne Angst in den Himmel schauen?