Am Ufer der Schwarzen Meeres, auf der von Russland besetzten Krim, erstreckt sich Artek. Das riesige Ferienlager wurde 1925 von der Sowjetunion gegründet und seit 2014 zum Propagandainstrument des Kremls umfunktioniert. Auf dem Programm stehen patriotische Lieder, die Herstellung von Tarnnetzen für die Front sowie Militärübungen mit Mitgliedern der berüchtigten Wagner-Miliz. In Artek weilen nicht nur russische Kinder. Nach Angaben der russischen Behörden sollen dort seit der Annexion der Krim mehr als 10.000 ausländische Kinder und Jugendliche zu Gast gewesen sein.
Obwohl es im Juni 2024 mit EU-Sanktionen belegt wurde, nimmt das Ferienlager weiterhin Kinder aus ganz Europa auf, darunter auch Deutsche und Franzosen. Wie ist das möglich? Und wer organisiert diese Reisen aus Frankreich?
Unsere Journalisten werteten Hunderte von Beiträgen in russischen sozialen Netzwerken und Messengerdiensten sowie audiovisuelle Archive aus und kamen den Personen und Einrichtungen auf die Spur, die diese Aufenthalte ermöglichen und organisieren. Sie deckten auf, wie französische Kinder ins Ferienlager reisen und entschlüsselten die Propagandamaschine vor Ort. Und sie machten ehemalige Teilnehmer aus, die viele Jahre später anonym von ihren Erfahrungen berichten.
Die Recherche beleuchtet auch die Rolle der Maison Russe in Paris, die dem russischen Außenministerium untersteht, sowie die eines ehemaligen Beraters von Marine Le Pen, der ebenfalls an der Auswahl französischer Kinder für Artek beteiligt sein soll. Die Journalisten traten außerdem in Kontakt zu einer Frau, die angibt, jedes Jahr Dutzende französischer Kinder persönlich auf die besetzte Krim zu begleiten. Wegen vergleichbarer Aktivitäten wurde eine andere Organisatorin im Dezember 2024 von der EU sanktioniert.
Mehrfach fragte die Redaktion beim französischen Außenministerium nach, warum Frankreich trotz des Ukrainekriegs die Aktivitäten der Maison Russe nicht einschränkt, wie es zum Beispiel Slowenien, die Tschechische Republik oder Rumänien getan haben. Eine Antwort blieb aus. Was wissen die französischen Behörden über diese Reisen, die von ihrem Staatsgebiet aus organisiert werden?
Die packende Recherche gewährt Einblick in ein recht unbekanntes Instrument der russischen Soft Power und enthüllt eine Strategie der Einflussnahme, die auch auf die europäische Jugend abzielt.
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Regie: Tetiana Pryimachuk
Chefredakteur: Sylvain Pak
Stellvertretende Chefredakteurin: Claire Tesson