Shooterspiele sind am überzeugendsten in der Egoperspektive. Der Gamer sieht die virtuelle Welt durch die Augen seiner Spielfigur. Er schlüpft praktisch in eine fremde Haut, die er dann auch verteidigen muss, als Soldat im 2. Weltkrieg - im neuen "Call of Duty" - , oder als Zombie-Hunter im Horror-Klassiker "Resident Evil". Trinity spielt mit ihrem Gast, dem Filmwissenschaftler Alexis Blanchet, außerdem eines der seltenen Jum’n’run-Spiele in der Egoperspektive: "Mirror’s Edge Catalyst".
Die subjektive Kamera wird im Film nur selten eingesetzt. Robert Montgomery verwendete 1947 für "Die Dame im See" ("The Lady in the Lake") ausschließlich diese Perspektive. Mit dem Videospiel hat sich diese Sicht durchgesetzt, vor allem für Shooter-Spiele ab "Doom" und "Wolfenstein 3D". Die Entwickler und Gamedesigner arbeiten daran, den Eindruck immer realistischer zu gestalten, durch das Einblenden der Hände und Füße der Spielfigur zum Beispiel.
"Art of Gaming" ist die deutsch-französische Webserie über Videospiele als Kunstgattung bei ARTE. E-Sport-Champion Melek Balgün ist der deutsche Host und die Streamerin und professionnelle Gametesterin Trinity das französische Gesicht der Sendung. Analysiert wird im für Videospiele typischen Let’s-Play-Format: Die Gäste diskutieren nicht nur die Spiele, sie müssen auch selbst ran an die Controller und Tastaturen.
Alexis Blanchet ist Dozent für Filmwissenschaft und hat sich mit der Perspektive im Film und in Videospielen auseinandergesetzt. Für "Art of Gaming" hat er sogar akzeptiert, mit VR-Brille einen überfluteten Keller voller Zombies in "Resident Evil" zu durchwaten. Hut ab!