„Wenn ich im Rollstuhl sitze, fühle ich mich oft entmündigt“, sagt Georg, der nach einer Sep-sis vierfach amputiert ist. Sein Ziel ist es, wieder selbstständiger – und dadurch auch wieder anders wahrgenommen zu werden. Dabei helfen könnten ihm Hightech-Prothesen für Arme und Beine. Diese Erfahrung hat zumindest Psychologe Bertolt Meyer gemacht: Er kam ohne Unterarm zur Welt und trägt eine Prothese, die sich über Nerven- und Muskelsignale bewegen lässt. „Es ist beeindruckend, wie sehr diese Prothese die Reaktion meines Umfelds und darüber auch mein Selbstwertgefühl verändert hat. Ich habe mich gefragt: Geht das nur mir so? Oder ist diese Reaktion auf Hightech-Prothesen ein generelles Phänomen?“
Rund zwei Millionen Menschen in Europa haben aufgrund einer Krankheit, eines Unfalls oder von Geburt an eine fehlende Gliedmaße. Das schränkt sie massiv ein und kann psychologisch stark belasten. Sie fallen auf, fühlen sich oft nicht „normal“. Psychologische Grundbedürfnisse wie Autonomie, sozialer Anschluss und Kompetenz können dadurch auf der Strecke bleiben. Dank innovativer Technik sind viele Körperteile inzwischen ersetzbar – doch wie sehr können Hightech-Prothesen Menschen tatsächlich körperlich und seelisch helfen?
Der Film begleitet vier Menschen, die mit ganz unterschiedlichen Verlusten umgehen müssen: Guus van Eck erlitt als Kind Verbrennungen an 50 Prozent seiner Haut. Jean Marc Castelnaud verlor durch Krebs seine Nase. Sonja Luz lebt ohne rechten Arm. Georg Winterling mussten wegen einer Sepsis beide Arme und Beine amputiert werden. Psychologe und Pro-thesenträger Bertolt Meyer erforscht die Selbst- und Fremdwahrnehmung von Menschen mit und ohne Prothesen und ordnet die Erfahrungen der Protagonist*innen wissenschaftlich ein.
Autorin: Insa Onken
Hergestellt von der Längengrad Filmproduktion
Redaktion: Birgit Borsutzky, Niels Waibel