Schnelle Brille, Netzoberteil, Stahlketten mit Bügelschlössern. Wer es nicht besser weiß, wird beim Anblick junger Menschen unweigerlich an verruchte Fetisch-Swingerpartys denken. Doch das täuscht. Heute dröhnt harter Vier-Viertel-Techno aus den Jugendzimmern und die modischen Codes der Berliner Underground-Raveszene haben sich zum massentauglichen Trend der Corona-Abiturjahrgänge gemausert.
Unter Hashtags wie #ravetok und #techtok finden sich Millionen von Beiträgen, die versuchen, die Technokultur zu erklären. Was ist ein typisches Raver-Outfit? Wie komme ich ins Berghain und wie sollte ich da tanzen? Alles Fragen, deren Antwort nur noch ein TikTok entfernt ist. Und spätestens seitdem Rapper wie Ski Aggu und Viko63 auf Technobeats rappen, als hätte es Trap nie gegeben, wird deutlich: Die ehemalige Nischenkultur ist voll im Mainstream angekommen.
"Tracks" dreht in Berlin Runden, spricht mit den DJs Tham und Alva über die Entwicklung in Clubs und besucht den Rapper Ski Aggu für eine Session in seinem Studio. Wie kommt es, dass in Zeiten von Clubsterben und Corona-Lockdown ausgerechnet Techno seine Massentauglichkeit feiert? Und ist es überhaupt wünschenswert, dass eine Kultur, die seit ihrer Anfangszeit einen Safe Space für marginalisierte Gruppen darstellt, heute im Mainstream Wurzeln schlägt?