Die großen Volksparteien der Mitte verlieren zunehmend Wählerinnen und Wähler. Die Gründe sind vielschichtig: Liegt es vielleicht an uns, weil wir nicht so rational und strategisch wählen, wie es die Demokratie von uns verlangen würde? Am Ende bestimmen vor allem unsere Herkunft, unser Umfeld und unsere Persönlichkeit unser Wahlverhalten. Aber ist das wirklich der Grund, warum so viele von uns nicht mehr die zu unseren Interessen passende Partei finden? Oder liegt es doch daran, dass die Parteien unseren Problemen nicht mehr gerecht werden?
Es stimmt: Wir haben uns verändert. Wir sind individueller und pluralistischer geworden. Das macht es den etablierten Volksparteien zunehmend schwer, Wählende an sich zu binden. Die alten Milieus aus Arbeiterschaft, Konservativen oder Liberalen existieren in dieser Form nicht mehr. Gleichzeitig wird den Parteien immer wieder angekreidet, dass sie die Bevölkerung nicht ausreichend repräsentieren. Auch eine steigende wirtschaftliche Ungleichheit verstärkt das Gefühl der Unzufriedenheit. In die Lücken drängen populistische Parteien, die häufig die Werte unserer heutigen liberalen Demokratien in Frage stellen.
Die Lage ist angespannt. Weltweit sind Autokratien auf dem Vormarsch. Nur 7 Prozent der Menschen leben in einer liberalen Demokratie. Damit hat unsere Staatsform einen regelrechten Exotenstatus bekommen. Müssen wir jetzt um diesen bangen? Oder können wir wieder zusammenfinden, wir und die Parteien?