Mit Materie und Antimaterie, erklärt die Astropartikelphysikerin Susanne Mertens, verhält es sich wie mit Plätzchen und Teig. Sticht man ein Plätzchen aus, bleibt zwangsweise ein Loch im Teig übrig. Analog dazu kann Materie nur dann aus Energie entstehen, wenn gleichzeitig ein Gegenstück Antimaterie entsteht. Ein Doppelgänger, der nach allem, was wir wissen, das exakte Spiegelbild der Materie ist - und lediglich eine umgekehrte Ladung trägt.
Die Begegnung von Materie und Antimaterie verdeutlicht der britische Physiker Frank Close, befreit schlagartig die komplette Energie, die in den Teilchen gespeichert ist. Die Science-Fiction hat die Existenz der Antimaterie deswegen zu mächtigen Antriebsquellen für Raumschiffe inspiriert. Aber die Physik steht vor einem Problem. Wenn Materie nicht ohne Antimaterie entstehen konnte und die beiden sich gegenseitig auslöschen - warum sind wir alle dann hier?
Seit die Existenz von Antimaterie in den 30er Jahren experimentell dingfest gemacht wurde, suchen Forschende nach einer Erklärung dafür, warum die Materie aus der Apokalypse nach dem Big Bang siegreich hervorging. Sie fahnden nach einem Unterschied zwischen den Doppelgängern - mit Experimenten, die sich mit flüchtigsten Teilchen befassen. Was dabei auf dem Prüfstand steht, ist die Gültigkeit des Standardmodells der Teilchen - unserer besten Erklärung, welche Partikel und Kräfte in unserem Universum zu finden sind, und wie sie interagieren. Lösen wir das Rätsel des Verschwindens der Antimaterie, dann könnte uns das auf die Straße zu einem neuen Verständnis des Universums führen.