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Florian Leopold Gassmann: L'Opera Seria
Mailänder Scala158 Min.
Verfügbar bis zum 29. März 2026 um 05:00
Nur noch 4 Tage online
Mit scharfem Witz entlarvt Florian Leopold Gassmanns satirische Opera buffa (1769) die Absurditäten des Mikrokosmos Oper. Das Libretto von Ranieri de’ Calzabigi karikiert egozentrische Diven, intrigante Kastraten und chaotische Proben, deren Scheitern vorprogrammiert sind. Christophe Rousset dirigiert an der Mailänder Scala eine mitreißende Inszenierung.
Gassmanns Opera Seria ist eigentlich eine Opera buffa, die sich über ein ganzes Genre lustig macht: Die Opera seria war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein sehr beliebtes Genre, das Hunderte von Opern hervorbrachte und einen wahren kommerziellen Boom auslöste. Die Konkurrenz war unerbittlich und kämpfte mit harten Bandagen. Aus Zeitdokumenten wird ersichtlich, dass die Opera seria dem Starsystem und den Auswüchsen des kommerziellen Hollywood-Kinos in nichts nachstand: Ränkespiele zwischen eitlen Kastraten und ebenso selbstgefälligen Primadonnen, Libretti von dürftiger Qualität, Ideenklau und kaum voneinander unterscheidbare Produktionen.
Ort des Geschehens: eine Generalprobe, die im Chaos versinkt. Intendant, Komponist und Librettist bekriegen sich, genauso wie der Ballettmeister und die Tänzerinnen und Tänzer. Sängerinnen und Sänger sabotieren sich gegenseitig, und selbst die Mütter der Darstellenden mischen sich ein. Die Premiere endet im Desaster – und in der Erkenntnis, dass Kunst oft an den Egos ihrer Macher scheitert.
Ranieri de’ Calzabigis Libretto ist dabei mehr als nur Zeitkritik. Mit beißendem Spott entlarvt er die Konventionen des Genres: endlos geschraubte Arien, sinnfreie Texte, Balletteinlagen, die wie Fremdkörper wirken. Dass Wolfgang Amadeus Mozart das Werk bewunderte, verwundert nicht – schließlich parodierte er später selbst die Opernwelt in Der Schauspieldirektor.
Laurent Pellys Inszenierung an der Mailänder Scala setzt diesen Geist kongenial um. Zusammen mit Bühnenbildner Massimo Troncanetti liefert er die Bilder, die an Eleganz und Humor Florian Leopold Gassmanns Musik in nichts nachstehen. Barock und grau in grau sind Laurent Pellys Kostüme, unterschwellig, aber kunterbunt – eine überdrehte Karikatur. Sie spiegeln den Narzissmus der Kastraten, die damals als Popstars ihrer Zeit gefeiert wurden.
Dirigent Christophe Rousset verleiht der Musik mit seinem Ensemble Les Talens Lyriques Schwung und Esprit: präzise im Tempo, voller pointierter Akzente, aber stets mit einem Augenzwinkern. Die Besetzung vereint erfahrene Sängerinnen und Sänger mit jungem Nachwuchs. Die Inszenierung von Pelly zeigt, dass Gassmanns und Calzabigis Satire nichts von ihrer Frische verloren hat.
Aufzeichnung vom 1. und 3. April 2025 aus der Mailänder Scala.
Mit
Pietro Spagnoli (Der Operndirektor)
Mattia Olivieri (Der Librettist)
Giovanni Sala (Der Komponist)
Josh Lovell (Der Kastrat)
Julie Fuchs (Die Primadonna)
Andrea Carroll (erste Sängerin)
Serena Gamberoni (junge Sängerin)
Alessio Arduini (Ballettmeister)
Alberto Allegrezza (Porporinas Mutter)
Lawrence Zazzo (Smorfiosas Mutter)
Filippo Mineccia (Stonatrillas Mutter)
Komponist/-in
Florian Leopold Gassmann
Inszenierung
Laurent Pelly
Dirigent/-in
Christophe Rousset
Orchester
Orchestra del Teatro alla Scala
Les Talens Lyriques
Choreographie
Lionel Hoche
Libretto
Ranieri de’ Calzabigi
Bühnenbild / Ausstattung / Bauten
Massimo Troncanetti
Kostüme
Laurent Pelly
Licht
Marco Giusti
Regie
François Roussillon
Land
Frankreich
Jahr
2025
Herkunft
ARTE F
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