Humo markiert die mit Spannung erwartete Rückkehr der Choreographin Rafaela Carrasco. Diese neue Inszenierung entfaltet ihre ganze Wirkung ausgerechnet in jener Stadt, in der die Legende von Carmen ihren Ursprung hat. Im Jahr 1813 traten fast 6.000 Frauen in die Reihen der Königlichen Tabakmanufaktur von Sevilla ein und schlossen sich den 23.000 Zigarettenrollerinnen an, die über ganz Spanien verteilt waren. Es sind diese Frauen, reale Figuren, die zu Mythen wurden, welche die Figur der Carmen inspirierten.
Humo – der Rauch – steigt wie ein Hauch der Erinnerung empor, als Hommage an diese Frauen. Auf der Bühne verkörpern neun Tänzerinnen ebenso viele Lebenswege durch eine einzigartige choreographische und musikalische Gestaltung. Tanz und Gesang offenbaren vielfältige Realitäten, die oft im Widerspruch zu den von Generation zu Generation weitergegebenen weiblichen Stereotypen stehen. Mit dieser Inszenierung regt Rafaela Carrasco zu einer tiefgründigen Reflexion über die Situation der Frau und ihre Entwicklungen an. Die Freuden und Kämpfe dieser Zigarrenmacherinnen hallen bis heute nach und erinnern daran, wie zeitlos die Figur der Carmen ist. Zwischen der Erinnerung an die Arbeiterinnen, andalusischer Vorstellungswelten und der Kraft des Flamencos gibt Humo jenen ein Gesicht zurück, die die Geschichte oft im Schatten gelassen hat, jenseits von Mythos und Folklore.
Aufzeichnung vom 24. Mai 2026 im Teatro de la Maestranza, Sevilla.