Vandal Graffiti steht im radikalen Gegensatz zur durchgestylten Street-Art-Ästhetik europäischer Metropolen. Wo Städte immer stärker überwacht, privatisiert und ästhetisch normiert werden, setzen Sprüher*innen rohe Zeichen der Störung. Frisch sanierte Fassaden, Neubauten oder große Werbetafeln dienen als Leinwand und das bewusste „Hässliche“ wird zur Waffe gegen ästhetische Vereinheitlichung – radikal und bewusst unbrauchbar. Vandal Graffiti erscheint als Praxis, die wie reine Zerstörung wirkt – und der in ihrer Verweigerungshaltung und Destruktion doch eine progressive Kraft innewohnt.
"Tracks" begleitet vier Sprüher*innen in Basel, Berlin und Paris und spricht mit ihnen über die Botschaft ihrer teilweise illegalen Aktionen. Zwischen nächtlichen Exkursionen und Perspektiven aus der Szene zeigt die Folge ein Spannungsfeld zwischen Störsignalen, gesellschaftlicher Forderungen und Bedeutungsverweigerung. Tracks fragt: Ist Vandal Graffiti ein Akt der Selbstermächtigung in einer zunehmend reglementierten Stadt? Und: Wie gehen Sprüher*innen mit dem zunehmenden Risiko durch Strafen, Überwachung und Repression um - oder ist der Nervenkitzel zentraler Bestandteil der Faszination?
Während viele Sprüher*innen vor allem von Ego und Adrenalin angetrieben werden, konfrontiert Theorie und Szene miteinander: Ist Vandal Graffiti politisch, auch wenn es nicht politisch sein will? Oder beginnt die politische Dimension erst dort, wo Außenstehende sie hineinlesen?