(1) Bretagne: Joseph Ponthus und die Poesie des Proletariats
In seinem 2019 erschienenen Debüt "Am laufenden Band" erzählt Joseph Ponthus von seiner Arbeit in südbretonischen Fischfabriken und Schlachthöfen. Das Buch war äußerst erfolgreich, gewann Literaturpreise und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. In freien Versen, halb Roman, halb Gedicht, führt es ohne Atempause und Interpunktion in die harte Welt der Fabriken, imitiert die unerbittliche Mechanik des Fließbands, die sich in Kopf und Körper einbrennt. Ponthus starb 2021 mit 42 Jahren an Krebs.
(2) Japan: Die Kunst der Zimmerleute
Japan wurde auf unsicherem, von Erdbeben erschüttertem Boden erbaut und besitzt praktisch kein Eisen und somit auch keinen Stahl. Doch diesen Fluch machten die Japaner zum Segen und entwickelten eine weltweit einmalige Holzbaukunst, die auf dem Prinzip der Vergänglichkeit und Schlichtheit beruht. An Baumaterial mangelt es nicht: Denn Japan hat Wälder, die fast zwei Drittel des Landes bedecken und robuste, mehrere Dutzend Meter hohe Stämme hervorbringen.
(3) Montenegro: Sanelas Drachenkuchen
In Podgorica bereitet Sanela ein traditionelles Festtagsdessert zu: Drachenkuchen aus Budva. Sie knetet einen Teig, der mit einer Füllung aus Mandeln, Zitrone und Maraschino vermischt wird und die Form eines backfertigen Drachens annimmt. Wenn der Kuchen aus dem Ofen kommt und abgekühlt ist, wird er gemeinsam mit der Familie genossen. Nach der Tradition darf das jüngste Familienmitglied den Drachenkopf verspeisen.
(4) Dänemark: Die Schiffbrüchigen aus dem KZ Stutthof
Im dänischen Fischerdorf Klintholm Havn führen rund 200 Menschen ein beschauliches Leben unweit des malerischen Kreidefelsens Møns Klint. Doch vor 80 Jahren kam ein 60 Meter langer Schleppkahn über die Ostsee, ein Geisterschiff aus dem Dritten Reich der deutschen Nationalsozialisten, mit dem sich der dunkle Schatten eines der grausamsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit über den friedlichen Ort legte …