Die Banden kontrollieren heute fast die gesamte Hauptstadt, sie erheben "Steuern" auf jeden Durchgang, entführen, erpressen und massakrieren ungestraft. Die wenigen noch bestehenden öf-fentlichen Institutionen funktionieren kaum noch: Eine Schule nach der anderen wird geschlossen, Krankenhäuser werden von Banden gestürmt, humanitäre Hilfskonvois fahren unter Lebensgefahr.In diesem Chaos schwanken die Einwohner zwischen Fatalismus und Verzweiflung, sie leben jeden Tag mit der Angst, getötet, entführt oder vergewaltigt zu werden. Die Polizei wirkt hilflos, der Staat zerfällt und die Kriminalität ersetzt nun jede Form von Autorität.Wir begleiten Carole, eine Mutter, die in einem Lager für Vertriebene lebt, und Angelo, einen jun-gen Mann, der sich vor zwei Jahren einer Gang angeschlossen hat. Beide haben alles verloren: ihr Haus, ihre Angehörigen, ihre Arbeit, ihre Zukunft. Beide klagen denselben Schuldigen an: einen korrupten, abwesenden Staat, der die Bevölkerung schon seit Jahrzehnten im Stich lässt, der es zu-lässt, dass die Banden ihre Gesetze diktieren. Unsere Reporter erzählen auch von der riesigen Auf-gabe, die vor Haiti liegt, wenn das Land zum Frieden zurückfinden will, seine zerstörten Viertel wieder aufbauen und zumindest ein Minimum des Staates wiederherstellen will.