Die Suche nach Brot, Wasser, Strom oder einer Internetverbindung füllt ganze Tage in Gaza. Die Schulen funktionieren kaum noch, die Gedanken an die Zukunft beschränken sich auf das Überleben bis zum nächsten Morgen. Yazan ist 16 Jahre alt, dies ist gerade sein vierter Krieg. Nachts, wenn es ihm gelingt, sich auf dem Dach des Familienhauses zurückzuziehen, schlägt er sein Notizbuch auf und dichtet im Licht seines Handys. Drei Hefte schrieb er voll seit dem Beginn des Kriegs, alle drei rettete durch die vielen Umzüge, kriegshalber. Zusammen mit vier anderen jungen Dichtern aus Gaza hat Yazan einen beinahe wahnwitzigen Plan: einen Gedichtband über ihre Stadt zu schreiben und ihn in Gaza zu veröffentlichen.
Unsere Reporter begleiteten Yazan in seinem Alltag, in Warteschlangen und beim Lernen fürs Abitur. Er erzählte ihnen von der Hoffnung auf eine Ausreise und der Notwendigkeit weiterzuschreiben. Sie erzählen von einer Jugend, die versucht, Worte, Erinnerungen und Spuren inmitten dessen zu bewahren, was sich kaum mehr fassen lässt. Immerhin ist das Schreiben eines Buches in einem Gebiet, in dem so vieles zerstört wurde, auch ein Weg, in die Zukunft zu blicken.