Keine Technologie eroberte je so schnell den Alltag der Menschen wie die Text-KI. Schon drei Monate nach dem Start zählte ChatGPT 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Woher kommt die Bereitwilligkeit, sprechende Software in die privatesten Bereiche des eigenen Lebens zu lassen?
Die Dokumentation findet eine verblüffende Antwort: Seit Jahrzehnten erzählt uns Hollywood Geschichten von künstlichen Wesen, die in der Lage sind, Liebe zu empfinden, ("HER", "A.I."), die sich für Menschen opfern ("Star Trek") oder deren Bereitschaft zur Vergebung übermenschlich ist ("Blade Runner").
"Diese Wesen lernen wir oft als 'die besseren Menschen' kennen", sagt Science-Fiction-Analystin Isabella Hermann. Und genau deshalb machen sich die KI-Hersteller den von solcherlei Geschichten geformten Zukunftserwartungsraum zu eigen, analysiert Zukunftsforscher Wenzel Mehnert. Die KI-Macher selbst haben popkulturelle Zukunftserzählungen tief verinnerlicht: Amazon-Chef Jeff Bezos präsentiert öffentlich eine Vision, die praktisch eins zu eins dem Zukunftsfilm "Elysium" gleicht. Und das Sci-Fi-Narrativ der allmächtigen Künstlichen Intelligenz, die die Menschheit vernichten will — wie im Film "Terminator" —, nutzen die KI-Konzerne geschickt als gruselige Presse-Kampagne für die eigene Alternativlosigkeit.
Bestseller-Autorin Karen Hao vergleicht den Bodenhaftungsverlust der Tech-Lenker sogar mit der Entwicklung der "Dune"-Hauptfigur Paul Atreides, der sich schließlich selbst für den Messias hält. Ferner kommen in der Dokumentation zu Wort: Amba Kak, Jascha Bareis, Aya Jaff, Alexandre Gefen, Katika Kühnreich und Jürgen "Tante" Geuter.