Jedes fünfte Huhn, das in der EU gegessen wird, stammt aus Polen. Das Land ist Europas größter Geflügelproduzent. Konzerne bauen immer mehr Mastanlagen – und stoßen zunehmend auf Widerstand.
In Kodeń in Ostpolen steht neben dem Grundstück von Barbara Bil eine Mastanlage für rund eine Million Hühner. Die 19-fache Großmutter wollte den Hof für ihre Großfamilie ausbauen, doch die Pläne wurden durch den Bau der Ställe durchkreuzt. Während einige Dorfbewohner die Investition als Chance für Arbeitsplätze und Entwicklung sieht, sorgen sich Barbara Bil und andere Anwohner.
Katarzyna Wujek ist nach vielen Jahren in London in ihre Heimat in der Nähe von Lodz zurückgekehrt, um sich auf dem Land um ihre kranken Eltern zu kümmern. Ein Investor plant auch hier einen großen Hühnerstall. Zusammen mit anderen Anwohnern will sie den Bau des Betriebs in ihrer Nachbarschaft verhindern. Mitstreiter Tomasz Tarnacki befürchtet, Schadstoffe könnten die Asthmaerkrankung seines Sohnes verschlimmern. Das letzte Wort zum Bau hat der Bürgermeister – wie wird er sich entscheiden?
Strengere Regeln könnten die heimische Produktion gefährden, heißt es aus der Branche. Die Industrie verweist auf Wettbewerbsdruck und internationale Märkte. Nur wer effizient produziere, könne bestehen.
Dass es auch andere Wege gibt, zeigt der Kleinbauer Tomasz Jakiel. Seine Hühner wachsen langsamer, mit mehr Platz, frischer Luft und Sonnenlicht. Das Fleisch ist deutlich teurer als im Supermarkt. "Die Konsumenten müssen mit ihrem Portemonnaie über die Produktionsmethoden abstimmen", sagt er.
Nach Drehschluss entscheidet der Bürgermeister der Gemeinde Mniszków, den Bau der Hühnermastanlage nicht zu genehmigen. Als Gründe nennt er die Nähe zu Wohnhäusern, nicht sicher auszuschließende Geruchsbelastungen, den gesellschaftlichen Konflikt um die Anlage sowie mögliche negative Auswirkungen auf die Attraktivität der Gemeinde. Der Bau ist damit jedoch nicht sicher abgewendet. Der Investor hat bereits Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt.