Die Affäre übersteigt rasch die exklusive Welt der Kunstgalerien und Auktionshäuser. Rybolowlew verklagt Bouvier in mehreren Ländern. Die Anschuldigungen erreichen eine neue Stufe: Veruntreuung, politische Einflussnahme, Korruption, Manipulation. In Monaco wird die Vermutung laut, dass der Milliardär privilegierte Beziehungen zu Politikern und Vertretern der Justiz pflegt. Bouvier ist angeschlagen, aber entschlossen, sich zu verteidigen: Er reicht eine Gegenklage ein.
Über Jahre hinweg liefern sich die Anwälte der beiden Männer Gefechte in Monaco, in der Schweiz, in Singapur, in Hong Kong und in den USA. Tausende Seiten von Unterlagen, Privatkorrespondenz und Zeugenaussagen werden geprüft. Jedes Lager versucht, seine Lesart der Hergänge durchzusetzen.
2017 geht das Leonardo da Vinci zugeschriebene Gemälde "Salvator Mundi" in die Kunstgeschichte ein: Es wechselt bei Christie’s für 450 Millionen Dollar den Besitzer und wird damit zum teuersten jemals versteigerten Kunstwerk. Sowohl Rybolowlew als auch Bouvier nutzen diesen Verkauf für ihren Rechtsstreit.
Zehn Jahre lang bekriegen sich die beiden Männer an allen Enden der Welt, bis es 2023 zum Abschluss eines vertraulichen Abkommens kommt. Aber die Einigung beantwortet nicht die Frage, die am Anfang der ganzen Affäre stand: Hat Yves Bouvier Dmitry Rybolowlew übers Ohr gehauen? Oder haben zwei an Macht und Einfluss gewöhnte Männer lediglich erfahren müssen, dass mit dem Vertrauen auch die Kontrolle über das Narrativ verloren geht?