Auch finanzstarke Unternehmen hat man nicht anlocken können. Die Wahrheit ist bitter: Berlin ist Mitte der 1990er nicht Weltmetropole, sondern Hauptstadt der Dönerbuden. Die Stadt ist arm und hart. Bezirke wie Kreuzberg, Wedding und Neukölln sind abgehängt und drohen mit ihrer mehrheitlich migrantischen und arbeitslosen Bevölkerung zu Ghettos zu verkommen. Kriminalität und Gangfights sind an der Tagesordnung. Mittendrin: Savaş Yurderi aka Kool Savas, der wenig später zu einem der einflussreichsten Rapper Deutschlands wird.
Das Einzige, was in Berlin kommerziell funktioniert, ist Techno, die erste deutsch-deutsche Jugendkultur, die längst im Mainstream angekommen ist. Die Loveparade und Clubs wie der Tresor erobern von Berlins Mitte aus, die Herzen der europäischen Jugend. Die Besucherzahlen der Loveparade steigen von Jahr zu Jahr rasant.
Diepgen und Landowsky geben derweil nicht auf. Sie wollen den Boom erzwingen und setzen alles auf eine Karte: Berlin soll nun nicht Industriestadt, sondern zu dem deutschen Finanzzentrum werden – und es bald mit London und New York aufnehmen. Der Anfang einer großen Katastrophe für die Stadt: einer der größten Bankenskandale in der deutschen Geschichte nimmt seinen Lauf. Und ein junger Politiker aus der zweiten Reihe nutzt geschickt die Gunst der Stunde, um die Macht in der Stadt zu übernehmen: Klaus Wowereit.