69 Milliarden Euro in Italien, 78 Milliarden in Polen, 144 Milliarden in Frankreich, 286 Milliarden in Deutschland – insgesamt mehr als 1,2 Billionen Euro wollen die europäischen Nato-Staaten bis 2030 für neue Waffen ausgeben, um Russland von einem Angriff auf Europa abzuschrecken.
Aber diese Aufrüstung erfolgt völlig planlos: Zwar versprechen Minister und Regierungschefs fortwährend europäische Solidarität. Doch zugleich vergeben sie Milliardenaufträge je nach nationalen Interessen an bevorzugte nationale oder amerikanische Rüstungskonzerne. In der Folge passt nichts zusammen: Während die USA eine Weltmacht-Armee mit 30 Waffensystemen betreiben, leisten sich die Europäer 29 Mini-Armeen mit 178 Systemen.
Welche Konsequenzen hat das? Und was bedeutet das für die Sicherheit der Europäer? Diesen Fragen sind Harald Schumann und die Journalistinnen und Journalisten des Teams Investigate Europe nachgegangen.
Im Gespräch mit Nato-Generälen, ukrainischen Offizieren, nationalen und europäischen Parlamentariern, Rüstungsmanagern, dem zuständigen EU-Kommissar sowie Fachleuten aus führenden Thinktanks wird das politische Missmanagement bei Europas größtem politischen Projekt seit dem Fall des Eisernen Vorhangs aufgedeckt.
Die Folgen sind beunruhigend: Es wird nicht nur Steuergeld in dreistelliger Milliardenhöhe verschwendet. Experten warnen davor, dass die Investitionen viel zu oft noch in Kampfsysteme fließen, die auf dem Schlachtfeld der Gegenwart gar nicht mehr gebraucht werden. Zugleich zementieren Aufträge an die amerikanische Rüstungsindustrie die Abhängigkeit von einer US-Regierung, die vom verlässlichen Partner zum unberechenbaren Rivalen geworden ist.