Die russische Stadt Workuta wurde einst als Straflager und Bergbaustadt für deutsche Kriegsgefangene gegründet. Vor Beginn des Zerfalls der Sowjetunion hatte die Stadt rund 120.000 Einwohner, zuletzt noch etwa 55.000. Damit war Workuta eine der am schnellsten schrumpfenden Großstädte Russlands. Workuta liegt oberhalb des Polarkreises, der Winter dauert hier neun Monate und nach der Schließung vieler Kohleminen gab es kaum noch Jobs. Ganze Stadtteile wurden zu Geisterstädten. Dazu kommt, dass die Stadt nicht ans Straßennetz angeschlossen ist und etwa 1.000 Kilometer nördlich der nächstgelegenen Großstadt liegt.
Doch Workuta entfaltet eine neue Anziehungskraft. Viele Menschen können sich die Mieten in Russlands Großstädten nicht mehr leisten. Russlands soziale Netzwerke sind gerade voll mit dem Thema: Hier gibt es Eigentumswohnungen ab 500 Euro zu kaufen! Ein Eigenheim zum Preis eines Smartphones!
Auch Elena Sbezhnewa wohnt seit Kurzem hier. Sie ist Kriegsflüchtling aus dem Donbass. Eine Wohnung im Rest Russlands konnte sie sich nicht leisten. Nun wohnt sie in einer modernen Wohnung, die sie für rund 8.000 Euro Kaufpreis erworben hat. Sie leidet trotzdem unter den allgemeinen Problemen wie Einsamkeit, Dunkelheit, Abgeschiedenheit und Entfernung zu Bekannten. Doch Workuta war für sie die einzige Möglichkeit, eine eigene Wohnung zu besitzen. In Zeiten von Krieg und Krisen findet man in Workuta zumindest das, was der Rest Russlands aktuell nicht bieten kann: Ruhe und Sicherheit.