Anstatt in Italien zu schwitzen, suchen die Mailänder Alessandra Petrei und Mattia Canciani mit ihrem Wohnmobil und Hund Chopin eine kühle Auszeit im hohen Norden. Damit sind sie nicht allein. Auf gerade einmal 25.000 Einwohner kommen inzwischen über eine Million jährliche Besucher, die Urlaub auf der rauen Inselgruppe 200 Kilometer über dem Polarkreis machen.
Doch der Ansturm hinterlässt Spuren: ausgetretene Pfade, zertrampelte Wiesen und überfüllte Hotspots wie der Berg Reinebringen. Um die empfindliche Natur zu schützen, legen nepalesische Sherpas seit über 20 Jahren Treppen aus tonnenschweren Steinblöcken an. Damit sollen die steilen und unbefestigten Wanderwege gesichert werden – eine jahrhundertealte Handwerkskunst aus dem Himalaya, finanziert vom norwegischen Staat.
Wie viel Andrang verträgt die empfindliche Natur und wer entscheidet, wann es zu viel ist? Das ist eine Frage, die auch die Gemüter der Bevölkerung der Lofoten erhitzt. Ranger Peter Andresen vom Lofoten Friluftsråd versucht zwischen Naturschutz, Tourismuswirtschaft und Einheimischen zu vermitteln. Die lokale Facebook-Gruppe Overturisme i Lofoten mit fast 4.000 Mitgliedern fordert strengere Regeln und eine Begrenzung der Besucherzahlen. Der Tischler Asbjørn Rasmussen hat die Gruppe gegründet. Sein Bruder Audun führt als Guide selbst Touristen durch die Berge und Fjorde. Die beiden Brüder dokumentieren die Umweltschäden des Overtourismus und konfrontieren professionelle Bergführer mit deren Fehlverhalten.