Die russische Sonde Venera 9 machte 1975 das erste Foto der Venusoberfläche: Ein trostloser Planet mit trübem Himmel zeigte sich. Keine Spur von Wasser. Bis in die 1960er Jahre hatten Forschende gehofft, dass Venus eine zweite Erde sei. Auch Science-Fiction-Autoren stellten die Venus als eine Art Erde dar, mit Monstern, Dinosauriern und Amazonen. Doch auf der Venus ist es 460 Grad Celsius heiß, sie hat eine lebensfeindliche Kohlendioxid-Atmosphäre. Sah Venus immer so aus? Mitnichten. Sie war wahrscheinlich lange ein gemäßigter Planet mit stabilen Temperaturen. Forschende schätzen, dass vor rund 700 Millionen Jahren ein Ereignis eintrat, das die Entwicklung der Venus grundlegend verändert haben könnte.
Die Sonne ist die erste Verdächtige. Sie wurde im Laufe ihrer Geschichte immer heißer und ließ wahrscheinlich alles Wasser verdampfen, das die Venus einst besaß. Doch Merkur ist noch näher an der Sonne und nicht so heiß – was die Sonne als alleinige Täterin ausschließt. Venus ist auch der vulkanischste Planet im Sonnensystem. Es ist noch nicht geklärt, ob ihre Vulkane in einer einzigen katastrophalen Phase ausbrachen, oder noch heute aktiv sind. Sie gehören zu den Hauptverdächtigen.
Außerdem steht noch die fehlende Plattentektonik im Visier der Planetenforschenden. Der Erde gelingt es immer wieder, Kohlendioxid im Erdmantel zu begraben. Dieser Prozess findet auf der Venus nicht statt. Liegt es also an der fehlenden Plattentektonik? Könnte der Erde das gleiche Schicksal drohen? Vielleicht nicht morgen, aber in Millionen Jahren? Diese und andere Fragen sollen die zukünftigen Venus-Missionen der Nasa und Esa klären.