Kann man die Camorra mit den Waffen der Literatur bekämpfen? 2004 war der junge Journalist Roberto Saviano überzeugt von dieser Idee. Er wuchs in den 1980er Jahren bei Neapel auf, wo er die kriminellen Machenschaften der Mafia täglich miterlebte. Saviano wollte nicht tatenlos zusehen und begann, die mafiösen Strukturen in der weltweiten kapitalistischen Marktwirtschaft zu denunzieren, denn das organisierte Verbrechen war dabei, den Rechtsstaat zu ersetzen.
Anhand der E-Mail-Korrespondenz zwischen Saviano und seinem Verleger Mondadori beleuchtet die Dokumentation die Entstehung von "Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra", einer Mischform aus Roman und Reportage. Der Austausch spiegelt die enorme Motivation des Schriftstellers und lässt durchblicken, welch hohen Preis er für seine Enthüllungen zu zahlen bereit war.
War vorauszusehen, was ihm passieren würde? Das Buch wurde zwei Jahre später veröffentlicht. Es beinhaltet sämtliche Namen der Clan-Chefs und spielt unter anderem in der Camorra-Hochburg Casal di Principe, einer Kleinstadt nördlich von Neapel. Saviano erhielt Morddrohungen und lebt infolgedessen bereits seit 20 Jahren unter Polizeischutz.
Gemeinsam mit Verlegern, Freunden, Drehbuchautoren, Richtern und Mitgliedern seiner Leserschaft beurteilt Roberto Saviano sein idealistisch motiviertes Vorgehen von damals. Kann die Literatur Verbrechern die Stirn bieten? Kann sie die Menschen zur Veränderung bewegen? Seine Geschichte und seine Aussagen machen den Film zu einem Manifest. Solange Saviano lebt, wird er nicht schweigen. Und niemand wird sagen können, er habe von nichts gewusst.