Re: Frankreichs Problem mit Selbstjustiz

31 Min.

Verfügbar ab dem 16/06/2026

TV-Ausstrahlung am Mittwoch, 17. Juni um 19:40

Die Justizbehörden in Frankreich sind vielerorts knapp besetzt und das führt häufig zu Verzögerungen bei der Strafverfolgung. Immer mehr Bürger, die davon genervt sind, greifen deshalb zur Selbstjustiz – zusätzlich angestachelt durch Rechtspopulisten, die die Justiz als zu lax darstellen.

Laurent Raimondo, ein Restaurantbesitzer im südfranzösischen Menton, ist einer dieser Menschen, die das Recht in ihre eigenen Hände nehmen: Nach wiederholten Sachbeschädigungen und Anzeigen, die keinerlei Wirkung zeigten, gründete er die Initiative "Sauberes Menton". Er vertrieb junge Leute, die seine Einrichtung beschädigten, mit dem Stock. Das Video der Prügel-Aktion stellte er ins Internet, dort feiern ihn viele als einen "gerechten Rächer". Allerdings droht ihm noch immer die Strafverfolgung wegen dieses Aktes der Selbstjustiz.

Ein anderer Mann, dessen Gerichtsverhandlung mit seinem Einverständnis anonymisiert gefilmt werden durfte, stach auf seinen Nachbarn ein, der ihn über Monate mit Ruhestörung belästigte. Ein anderer junger Mann bereut seine Tat: Er wollte den Tod seines kleinen Bruders rächen und schoss deshalb auf einen Familienangehörigen des Täters. Nach seiner Haft versucht er nun, die Menschen darüber aufzuklären, dass solche Akte von Selbstjustiz nur zerstörerisch wirken und auf dem Friedhof oder im Gefängnis enden.

Die Justizbehörden in Frankreich sind alarmiert durch die Zunahme der Selbstjustiz, die durch die Reden von rechtspopulistischen und rechtsextremen Politikern gefördert werden. Sie gefährden die Demokratie: Was bleibt von der Rechtsstaatlichkeit noch übrig, wenn Bürger aufhören, an die Gerechtigkeit zu glauben, und deshalb nach Vergeltung trachten?

Autor:in

Lucie Lemetais

Kamera

François Cauwel

Schnitt

Mathias Lavergne

Produktion

Hikari

Land

Frankreich

Jahr

2026

Herkunft

ARTE

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