Als im Jahr 2016 Asteroiden entdeckt wurden, die sich seltsam fortbewegten, stand die Wissenschaft vor einem Rätsel. Auf die Umlaufbahn von Asteroiden wirkt im Sonnensystem eine Reihe von Kräften, doch keine davon reicht aus, um die Beschleunigung dieser ungewöhnlichen Himmelskörper zu verursachen. Die Forschenden vermuteten: Vielleicht waren diese vermeintlichen Asteroiden in Wirklichkeit Kometen?
Denn Kometen besitzen einen "eingebauten" Antrieb: Sie enthalten Eis. Nähert sich ein Komet der Sonne, wird das Eis gasförmig. Das entweichende Gas reißt Staub mit sich und kann den Kometen beschleunigen. Dabei entsteht der typische Schweif. Doch genau dieser Schweif fehlte den rätselhaften Himmelskörpern. Kometen ohne Schweif? Asteroiden mit Kometenantrieb?
"Wir haben sie daher dunkle Kometen genannt, bis wir verstehen, worum es sich handelt", erklärt ESO-Forscher Olivier Hainaut. "Wir vermuten, dass sie hybride Objekte sind – teils Komet, teils Asteroid", sagt Darryl Seligman von der Universität Michigan State. Vielleicht verbirgt sich Eis tief im Inneren, vielleicht gasen sie nur selten und in so kleinen Mengen aus, dass wir es kaum erkennen können. Genau diese verborgenen Eisvorräte machen dunkle Kometen besonders interessant.
Eigentlich galten normale Kometen als mögliche Wasserlieferanten der Erde – doch ihre Wassersignatur passt nicht genau zu der des irdischen Wassers. Dunkle Kometen mit verborgenem Eis könnten deshalb ein fehlendes Bindeglied sein. Sie wären dann nicht nur kosmische Verwandlungskünstler – sondern vielleicht auch Wasserlieferanten für Leben auf der Erde.