Seit 350 Millionen Jahren besitzen Amphibien eine unter Wirbeltieren seltene Superkraft: Sie können die Grenzen zwischen Leben und Tod nach hinten verschieben. Amphiben entstanden, als sich die Fluten zurückzogen und bestimmte Wassertierarten zu Landwirbeltieren wurden. Seitdem sind sie in beiden Habitaten zu Hause und besiedeln nahezu alle Lebensräume. Um zu überdauern, haben manche Lurcharten lebensverlängernde Fähigkeiten entwickelt. Der Waldfrosch, auch "Eisfrosch" genannt, trotzt dem Polarwinter, indem er ein Drittel seiner Körperflüssigkeiten einfrieren lässt: Seine Leber setzt Glukose frei, die wie ein Frostschutzmittel wirkt, und seine Lebensfunktionen kommen zum Stillstand, bis der Frosch im Frühling nach stundenlangem Auftauen zum Leben zurückkehrt. Bei den tropischen Fröschen trotzen einige Arten dem gegenteiligen Extrem: Den Warzigen Makifrosch bewahrt eine aus Hautdrüsen gebildete wachsartige Schutzschicht vor Austrocknung. Doch die beeindruckendste Superkraft ist die Regeneration. Salamander können zwar nicht durchs Feuer gehen, doch manche von ihnen können Gliedmaßen nachwachsen lassen; und der Axolotl, in Mexiko die Verkörperung des Gottes Xolotl, geht noch weiter: Beim Verlust von Körperteilen bilden die Zellen eine Blasthem genannte Knospe, die Gewebe, Nerven, Knochen und Haut neu programmiert, um innerhalb weniger Wochen zum Beispiel ein Bein nachzubilden. Die Wissenschaft träumt davon, dieses Wunder zu entschlüsseln, während andere versuchen, daraus Jungbrunnen-Elixiere zu gewinnen.