Europe to Go - Europa-News für zwischendurch15/05/2019

4 Min.
Verfügbar vom 15/05/2019 bis 15/05/2030

Eure tägliche Dosis Europe to Go fasst für euch zusammen, was gerade in Europa wichtig ist. Heute: Dokumentarfilm über Kindesmissbrauch durch Priester schockiert Polen, Telefonieren ins EU-Ausland wird günstiger, einige Länder in Europa denken über Kerosinsteuer nach und in Paris sollen Elektroroller bald nicht mehr im Weg rumstehen.

 „Sag es niemandem“ – so heißt ein Dokumentarfilm, der gerade die polnische Gesellschaft erschüttert – und nebenbei beim Europawahlkampf mitmischt. Schon 14 Millionen Mal wurde er auf Youtube angeklickt. In nur 4 Tagen. Das liegt sicher auch am Thema: Es geht um Kindesmissbrauch durch Priester. Und das in Polen, einem der gläubigsten Länder Europas. Die Kirche hat zurückhaltend reagiert, nicht aber die Politik. Denn die Regierungspartei PiS steht der katholischen Kirche sehr nah. Und jetzt fürchtet sie, dass das Stimmen bei der Europawahl kosten könnte. Vor allem weil da noch eine andere, neue Partei ist, die sich für eine strikte Trennung von Kirche und Staat einsetzt: die linksliberale Partei „Frühling“. Durch den Film könnte sie großen Aufwind bekommen. Aus Angst hat die PiS-Partei jetzt übrigens in Windeseile ein neues Gesetz auf den Weg gebracht, dass Missbrauchsfälle schärfer bestrafen soll. Na, ob das reicht, um die Gemüter in Polen zu sänftigen?

1 Euro und 49 Cent – so viel kostet ein Anruf aus Deutschland nach Frankreich bei einigen Mobilfunkanbietern noch immer, pro Minute! Diese Zeiten sind jetzt endlich vorbei – dank der EU. Heute tritt nämlich ein neues Gesetz in Kraft. Und das begrenzt ab nächstem Monat die Kosten für innereuropäische Telefonate. Anrufe kosten dann maximal nur noch 19 Cent pro Minute und eine SMS 6 Cent. Falls da draußen irgendjemand noch SMS schreibt… Übrigens! In Deutschland haben wir letztes Jahr zum ersten Mal mehr mit dem Smartphone als übers Festnetz telefoniert. Wahnsinn!

Beim Telefonieren ins Ausland sparen wir – dafür könnte die Reise dahin bald teurer werden. Zumindest mit dem Flugzeug. Einige Länder denken gerade nämlich über eine Kerosinsteuer nach – um das Klima zu schützen. Die EU-Kommission hat in einer Studie berechnen lassen, was das bringen könnte. Das Ergebnis:

Mit einer Steuer von 33 Cent pro Liter Kerosin würde der CO2-Ausstoß um 16,4 Milliarden Tonnen sinken. Nämlich weil die Preise für Flugtickets dann um 10 Prozent steigen würden – wodurch weniger Leute ins Flugzeug steigen. Bisher gibt es in Europa nur in Schweden eine Kerosinsteuer. In anderen Ländern, wie zum Beispiel den USA, Kanada, Japan oder Saudi-Arabien ist sie aber schon üblich.

Falls ihr in letzter Zeit mal in einer größeren Stadt unterwegs wart, habt ihr sie bestimmt schon gesehen – und euch vielleicht auch ein bisschen darüber aufgeregt: Es geht um Elektroroller. Sie sind handlich, umweltfreundlich und machen keine Lärm. Aber so mancher Fahrer ist auch eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Den Parisern wird’s jetzt zu viel: Das Fahren auf Bürgersteigen ist seit Anfang Mai verboten. Außerdem haben sich die Stadt und die zehn verschiedenen Anbieter von Elektorrollern auf einen Verhaltenskodex geeinigt. Damit soll das wilde Parken bald ein Ende haben. Paris will 2500 Stellplätze einrichten – und die Anbieter verpflichten sich, ihre Roller dort abzustellen, wo sie Fußgänger am wenigsten stören, sie mit grüner Energie zu laden und alte Fahrzeuge zu recyceln. Momentan fahren etwa 15.000 E-Scooter in Paris, bis zum Ende des Jahres könnten es 40.000 werden. Bei uns gibt's die bunten Roller übrigens auch schon, bisher fahren sie aber nicht legal. Der Bundesrat berät am Freitag drüber, ob sie offiziell im Straßenverkehr zugelassen werden sollen. 


Journalist :
Loreline Merelle
Sira Thierij
Land :
Frankreich
Jahr :
2019