Agrippina hat ihre Ziele immer erreicht und dafür nie vor Manipulation, Verrat oder sogar Mord zurückgeschreckt. Als Kaiserin will sie die Nachfolge ihres Sohns Nero auf dem Thron sicherstellen, auch wenn sie dafür andere opfern muss. Doch sie hat nicht mit ihrer gefährlichen Rivalin, der jungen, ehrgeizigen Poppea gerechnet. Sie ist eine ebenso ruchlose Intrigantin wie Agrippina selbst.
Mit der 1709 in Venedig uraufgeführten Oper „Agrippina“ feierte Georg Friedrich Händel seinen ersten großen Triumpf. Die Mischung aus politischer Satire, Drama, Humor und Leidenschaft machte das Werk quasi über Nacht zum Erfolg. Kardinal Vincenzo Grimanis Libretto ist voller erstaunlich modern wirkender Intrigen und Machtspiele, während Händels Musik jeder Figur eine unverwechselbare Persönlichkeit verleiht – der unerbittlichen Agrippina ebenso wie dem jungen, noch unerfahrenen Nero, dem alternden Kaiser Claudio, der verführerischen Poppea und dem loyalen Ottone. Virtuos und ausdrucksstark zeichnet jede Arie ein präzises psychologisches Porträt.
Die erstmals im tschechischen Brünn gezeigte Aufführung vereint das renommierte Barock-Orchester „Collegium 1704“ unter der Leitung von Václav Luks, der im Janáček-Theater bereits Alcina und Die Hochzeit des Figaro dirigierte. Die Titelrolle der Agrippina interpretiert Pavla Vykopalová, an der Seite der Countertenöre Constantin Zimmermann und Vojtěch Pelka. Eine brillante Inszenierung, die den politischen Intrigen und zwischenmenschlichen Beziehungen der Händel-Oper verblüffende Aktualität verleiht.