Am 12. September 1919 besetzte der italienische Schriftsteller und Kriegsheld Gabriele D’Annunzio mit rund 300 Anhängern die kroatische Hafenstadt Fiume – das heutige Rijeka – und beanspruchte sie für Italien. Die folgenden 16 Monate entwickelten sich zu einer der ungewöhnlichsten Besetzungen der Militärgeschichte. D’Annunzios offizielles Fotografenteam dokumentierte das Geschehen in über 10.000 Aufnahmen.
Hundert Jahre später greift der Filmemacher Igor Bezinović, der aus Rijeka stammt, diese Episode auf: Mit 300 Bürgerinnen und Bürgern der Stadt stellt er die Besetzung nach. Sein Film verbindet historische Aufarbeitung mit einer lebendigen Auseinandersetzung darüber, wie die Vergangenheit die Gegenwart prägt. Bezinović stellt Fakten und Mythen gegenüber und zeigt die gesellschaftlichen Folgen von D’Annunzios Aktion.
Der Film verbindet historische Präzision mit schonungsloser Realität, wirkt dabei aber auch absurd und provokant. Er beleuchtet, wie Inszenierung, Manipulation und Propaganda während der Besetzung eingesetzt wurden, und nutzt ähnliche Mittel, um das damalige Chaos erfahrbar zu machen. Durch neue Perspektiven, Erzählungen und Erfahrungen wird deutlich, wie nationale Geschichtsschreibung als ideologisches Instrument funktioniert – selbst wenn sie noch so absurd erscheint.
"Fiume oder der Tod!" erzählt von Poesie, Sprengstoff, Kokain, Maschinengewehren, Fußball, Flugzeugen, aus dem Fenster geworfenen Möbeln, Konzerten, Gefängnissen, Sonnenbädern, Tausenden Soldaten, Millionen Schuss Munition, endlosen Reden, einem Schnabeltier – und der Macht politischer Inszenierung. Mit dem Wissen von heute erscheint D’Annunzio wie ein Vorreiter der hochglanzpolierten politischen Spektakel, die bis heute die politische Landschaft dominieren.
"Fiume oder der Tod!“ hat eine sehr erfolgreiche Festivaltour hinter sich und erhielt gleich drei renommierte Preise: 2025 den Tiger Award und den FIPRESCI Award beim Internationalen Filmfestival von Rotterdam (IFFR) und 2026 den European Film Award als bester Dokumentarfilm.