Das Erbe der Dinosaurier

Im Süden Argentiniens werden regelmäßig urzeitliche Überreste entdeckt. Wissenschaftlern geben sie Aufschluss über vergangene Welten – und über die Zukunft unseres Planeten.

© DDP

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Seit Anfang 2016 ragt den Besuchern des New Yorker Naturkundemuseums bereits im Vorraum ein gigantischer Schädel entgegen. Mit 37 Metern Länge sprengt die Nachbildung eines Titanosauriers die Größe der Ausstellungsfläche. Das Original des kreidezeitlichen Fossils stammt aus Argentinien und wurde 2011 durch einen glücklichen Zufall entdeckt – als ein Landarbeiter in der Steinwüste Patagoniens anstelle seiner Schafe einen riesigen Knochen fand. Experten bestätigten alsbald: Es handelt sich dabei nicht nur um einen perfekt erhaltenen Saurieroberschenkel. Er stammt vermutlich sogar von einem der größten Landtiere aller Zeiten. Schätzungsweise 77 Tonnen wog der argentinische Titanosaurier, etwa so viel wie 14 afrikanische Elefanten.

Der 2011er-Fund reiht sich ein in eine Folge spektakulärer Entdeckungen in Patagonien – mehrfach schon stießen Forscher in der Region auf gut erhaltene Knochenteile von bislang unbekannten Dinosaurierarten. Wieso gerade hier? Die Antwort auf diese Frage liegt um die 60 Millionen Jahre zurück: Zu jener Zeit, fünf Millionen Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier, schiebt sich die ozeanische Erdplatte unter die südamerikanische Kontinentalplatte. Die Anden türmen sich auf, alte Sedimentschichten dringen an die Oberfläche – und mit ihnen die Überreste der Urzeitriesen. Die hohe seismische Aktivität in der Region erledigt den Rest: Die Fossilien werden unter der Vulkanasche begraben – und bis heute konserviert.

Wissenschaftler können aus prähistorischen Relikten wie diesen Rückschlüsse auf den gegenwärtigen Artenschwund ziehen und analysieren, wie verschiedene Spezies auf Umweltveränderungen reagieren. Das betrifft vor allem die Auswirkungen der Erderwärmung, heute angefeuert durch den Klimawandel. Bereits fünfmal kam es in der Geschichte zu einem sogenannten Massensterben – das letzte Mal, höchstwahrscheinlich ausgelöst durch einen Meteoriteneinschlag, vor 66 Millionen Jahren, als 70 Prozent aller Säugetiere, Vögel, Fische, Amphibien und Reptilien vom Erdboden verschwanden.

Der Vergleich von aktuellen und urzeitlichen Daten legt nahe: Das sechste Massensterben hat bereits begonnen. Zu dem Schluss kamen im Jahr 2015 Forscher der Universitäten in Princeton, Stanford und Berkeley. Normalerweise stirbt alle 100 Jahre eine von 10.000 Spezies aus. Verursacht durch den Menschen liegt diese Rate heute etwa 100-mal höher. Ihre Untersuchung zeigt auch, dass die Evolution auf lange Sicht nicht mit dem Tempo des aktuellen Klimawandels mithalten kann. Zwar erfuhr die Erde bereits zur Zeit der Dinosaurier eine enorme Erwärmung, jedoch vollzog sie sich deutlich langsamer. Laut „Living Planet Index 2016“, einer jährlichen Analyse der Biodiversität vom World Wide Fund, ist die Artenvielfalt der Wirbeltiere zwischen 1970 und 2012 um 58 Prozent zurückgegangen. Sollte sich der Klimawandel fortsetzen, wird diese Zahl bis 2020 auf 67 Prozent ansteigen.

Übrigens: Der Titanosaurier hat vermutlich vor 100 Millionen Jahren gelebt. Seinen Namen erhält er allerdings erst jetzt – von seinem Entdecker, dem argentinischen Landwirt: Aurelio.

Janne Piper

 

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Kategorien: Dezember 2016