FERNSEHEN MACHT SCHLAU

ARTE France

ARTE France

 

Mit dem Kinderprogramm ARTE Junior bietet ARTE auch den Jüngsten ein alternatives Fernsehprogramm: Jeden Samstag und Sonntag von 8 bis 10 Uhr erwarten sie Sendungen, die die Welt erklären, Dinge einmal anders betrachten und vor allem Spaß machen – ab dem 9. Januar mit neuen, spannenden Programmen. Ein Gespräch mit den beiden Redakteurinnen von ARTE Junior.

 

ARTE: Hören Sie nicht immer wieder den Vorwurf: „Fernsehen macht Kinder dumm“?

Pascale Cornuel: Natürlich kann Fernsehen dumm machen. Das gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene. Beim Fernsehen ist es wie beim Essen, es kommt auf die Qualität der Speise an – und es ist immer gut, in Maßen zu genießen!

Uta Cappel: Gerade bei Kindern ist eine gezielte Mediennutzung wichtig. Im Idealfall gucken die Eltern gemeinsam mit den Kindern. Natürlich bleibt es das Wichtigste, dass Kinder die Dinge selbst erleben, spielen, basteln, sich bewegen. Gezielte Fernsehnutzung kann aber sehr stimulierend sein. Und das ist es, was ARTE Junior leisten möchte.

ARTE: Worauf kommt es bei der Auswahl der Sendungen für ARTE Junior an?

Pascale Cornuel: Unser Augenmerk liegt auf visuell und inhaltlich innovativen Sendungen, die den Werten von ARTE entsprechen, respektvoll, kreativ und offen sind. Wir suchen Programme, die man nicht unbedingt bei anderen Sendern findet.

Uta Cappel: ARTE Junior zeigt Programme, die vor allem Kunst und Wissen für Kinder aufbereiten. Wir sind keine Konkurrenz zu den etablierten Kinderkanälen, aber eine Alternative. Unser Ziel ist, die Fantasie der Kinder anzuregen, sie weiterzubilden – und sie später als ARTE-Zuschauer zu behalten.

ARTE: Auf welche Sendungen können sich die jungen ARTE-Zuschauer freuen?

Uta Cappel: Sehr schön ist die Reihe „Unter wilden Tieren“. Dafür durften zehn Kinder beim Dreh der großartigen BBC-Tierfilmreihe „Faszinierende Wildnis“ dabei sein, die im vergangenen Jahr auf ARTE lief. Jedes dieser Kinder hatte eine Aufgabe: Matt beispielsweise, ein echter Schlangenfan, überwachte mit einer Wärmekamera Zigtausende kleiner Schlangen, während die Kaltblüter zum Leben erwachten (am 30.1.). Ein Mädchen durfte in Indien Tiger beobachten, ein anderes half der Filmcrew in der Antarktis, Eisbären zu finden.

ARTE: An welche Altersgruppe richten Sie sich?

Pascale Cornuel: An Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Wobei sich das Programm von 8 Uhr bis 9 Uhr eher an die Jüngeren richtet und die Sendungen ab 9 Uhr an die Älteren.

Uta Cappel: „Unter wilden Tieren“ beispielsweise ist für Kinder ab zehn Jahren gedacht, aber auch
die Jüngeren werden ihr Vergnügen haben. Viele unserer Programme sind Familienprogramme. Wenn anspruchsvolle Kindersendungen auch gerne von Erwachsenen geschaut werden, ist das eine echte Auszeichnung.

ARTE: Welche weiteren Highlights gibt es?

Uta Cappel: In „Lucie macht sich schlau“ macht sich ein kleines, freches Glühwürmchen auf den Weg in unsere reale Welt und erkundet für die Kinder Entdeckungen und wissenschaftliche Erkenntnisse. Was Optik ist, zum Beispiel. Oder Bewegung.

Pascale Cornuel: Genau wie „Dr. W“, eine Serie aus Katalonien. Dr. W ist eine schräge Zeichentrickfigur, die auf ziemlich unkonventionelle Weise Alltagsphänomenen wie Angst oder Schweiß auf die Spur kommt und sich auch mal fragt, ob man sein Schicksal vorhersehen kann. 

ARTE: Gibt es je nach Land Unterschiede, wie Kinderprogramme aussehen?

Uta Cappel: Für mich liegen die Unterschiede eher zwischen Kinderprogrammen von privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern. Mit ARTE Junior wollen wir uns gegen den Mainstream stellen und gute Programme finden, egal aus welchem Land.

Pascale Cornuel: Dennoch: Jedes Land hat sein eigenes Kulturgut und in manchen ist es besonders ausgeprägt. Die Kindersendungen aus skandinavischen Ländern schöpfen aus einem reichen Mythen- und Märchenschatz. Solche Eigenheiten wollen wir gerne zeigen.

ARTE: Sie haben erwähnt, dass auch Kunst zu ARTE Junior gehört – gibt es schon Beispiele?

Uta Cappel: Wir sind gerade dabei, eine Reihe vom spanischen Fernsehen zu kaufen, die im Original „Draw me a story“ (Zeichne mir eine Geschichte) heißt. Märchen aus aller Welt werden dort erzählt und vor unseren Augen aquarelliert, gezeichnet oder aus Papierfiguren gebastelt. Die Sendung begeistert alle. Wir strahlen sie im Sommer aus. 

ARTE: Worauf achten Sie beim Kauf der Sendungen? 

Pascale Cornuel: Geschichten für Kinder müssen geradlinig erzählt werden, Ironie beispielsweise können jüngere Kinder noch nicht verstehen. Die Sprache muss klar sein, trotzdem sollen ruhig neue Wörter gelernt werden. Vor allem aber muss der Ton stimmen. Was für uns zählt, ist, auf Augenhöhe mit den Kindern zu sein.

 

INTERVIEW: CORINNA DAUS

 

ARTE INTERVIEW

 

UTA CAPPEL UND PASCALE CORNUEL:
Die ARTE-Redakteurinnen Uta Cappel und Pascale Cornuel betreuen den Sendeplatz ARTE Junior. Für die Zukunft planen sie, das Kinderprogramm stärker auszubauen: mit TV-Premieren profilierter Kindersendungen aus der ganzen Welt und Neuproduktionen.

Kategorien: Januar 2011