Europäer sprechen mit Europäern

Europäer sprechen mit Europäern

Aus Sicherheitsgründen kommen für Europäische Parlamentarier bei offiziellen Besuchen nur drei Hotels in Beirut in Frage. Dieses Mal sind sie im Phoenicia untergebracht, einem Fünf-Sterne-Hotel mit Blick zum Meer und zum Ort des Attentats auf den Ministerpräsidenten Rafik Hariri im Jahr 2005.

Die vier Mitglieder des Europäischen Parlaments kommen nicht gleichzeitig in Beirut an. Marisa Matias reist in Begleitung von Elisa Reschini, der Beraterin ihrer Fraktion (GUE/GNL), an. Als Erstes treffen sie Ramona Manescu. Die rumänische Abgeordnete ist schon seit ein paar Tagen hier. Sie ist Mitglied der Europäischen Volkspartei, immer perfekt gekleidet und politisch aus einer ganz anderen Ecke als Marisa Matias kommend. Die beiden Frauen bekleiden den Vorsitz respektive den stellvertretenden Vorsitz der Delegation.

Am selben Abend im zehnten Stock des Phoenicia, die beiden Abgeordneten und ihr Team treffen sich zum Abendessen mit der EU-Botschafterin Angelina Eichhorst und Anis Nacrour, dem Leiter der EU-Delegation in Syrien. Dieser musste Damaskus verlassen, nachdem die Europäische Union, wie auch die Mehrheit der Mitgliedsstaaten, ihre Botschaft in Syrien geschlossen hat. Eine Entscheidung, die er bedauert, denn eine „Politik des leeren Stuhls“ ist nicht in seinem Sinne. Er lebt in Beirut und geht mit Hilfe von Mittelsmännern, die vor allem aus den Reihen der NGOs stammen und ihn mit Informationen versorgen, seiner Arbeit aus der Ferne nach.

Der Diplomat, ein Kenner der Region und ihrer politischen und zivilen Akteure, beschreibt und analysiert die Situation im Libanon und in Syrien und darüber hinaus im Nahen Osten: die Gefahr des Zusammenbruchs des Libanon, der Machtzuwachs des „Islamischen Staates“, der Verlust des Einflusses der Europäischen Union in Syrien. Ausgewählte Auszüge des Abendessens.

Die Delegation

Marisa Matias, die Vorsitzende der Delegation ist eine sehr engagierte Person und diese Reise ist ganz nach ihrem Geschmack. Sie hat darauf bestanden so viele Gesprächspartner wie möglich zu treffen, sie glaubt, nur wenn sie und ihre Amtskollegen mit möglichst vielen Menschen sprechen, können sie sich eine Vorstellung von der Komplexität der Situation und von den aktuellen Herausforderungen des Libanons machen. Vor allem, da sie nicht alle über das gleiche Wissen und die gleiche Erfahrung mit dem Land verfügen. Marisa Matias ist seit 2009 das dritte Mal im Libanon, ihre stellvertretende Vorsitzende Ramona Manescu ist regelmäßig im Land (sie ist Vorsitzende der Gruppe Europäisch-Libanesische-Freundschaft im Parlament), wohingegen Kristina Winberg noch nie hier war.

Die Reise

Hauptgegenstand der Reise ist der syrische Konflikt und seine Folgen für den Libanon. Da die Europäische Union ihre diplomatischen Beziehungen zum syrischen Regime abgebrochen hat, ist es den EU-Abgeordneten verboten, sich dorthin zu begeben. Marisa Matias, die „gern die Komfortzone verlässt“, ist jedoch der Ansicht, dass es wichtig ist, dorthin zu fahren, wenn auch nur, um den Dialog mit den syrischen Parlamentariern aufrechtzuerhalten. Doch auf höherer Ebene des Europäischen Parlaments hat man sie über die Gesetze der Diplomatie belehrt.