Der nahende Winter

Der nahende Winter

Slowenische Ärzte versorgen Kranke und Verletzte mit dem Nötigsten. Grippe, Lungenentzündung oder Husten sind die häufigsten Beschwerden und noch relativ einfach zu behandeln, so wie auch Dehydratation bei Kindern. Es geht, man habe alles gut unter Kontrolle, sagt Notarzt Gregor. Allerdings wisse er nicht, ob diese Versorgung auf längere Dauer ausreiche. Und an den Winter will er gar nicht denken. Menschen könnten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in zwei bis drei Stunden im Freien erfrieren.

Manche Flüchtlinge haben auch Kriegsverletzungen oder ernstere Infektionen. Diesen kann momentan nur Linderung verschafft werden, keine Heilung. Nebenan baut die tschechische Armee am Sonntag ein mobiles Krankenhaus auf, voll ausgestattet mit medizinischen Geräten, Verbandsmaterial, Medikamenten und zukünftig besetzt mit einem Chirurgen, einem Infektologen und einem medizinischen Unterstützungsteam von fünf Krankenschwestern und fünf Technikern. Solidarität mit Flüchtlingen, auch aus dem oft gescholtenen Osteuropa.

Offizier-Arzt aus der Tschechischen Republik
Gregor, Arzt aus Slowenien

Der anbrechende Winter aber bereitet allen Helfern Kopfzerbrechen. Bis Mitte November war es noch verhältnismäßig warm in Mitteleuropa, zwischen zehn und 16 Grad tagsüber sind aushaltbar. Mit dem aktuellen Wintereinbruch und Temperaturen um die null Grad schaut die Lage aber bereits deutlich ernster aus.  „Die Zelte sind beheizt. Aber den Flüchtlingen, die draußen warten müssen, ist sicher kalt. Da wird man sich etwas überlegen müssen.„, erklärt mir Lisa, eine Freiwillige auf der österreichischen Seite.

Damit Flüchtlinge nicht herum irren, werden Transporte in Bussen und Zügen durch Slowenien, Österreich und Deutschland organisiert. Weiter südlich auf der Balkanroute und von Griechenland kommend,  können die Schutzsuchenden meist nur zu Fuß gehen – und frieren, wenn es kalt wird. Freiwillige, Ärzte, die Menschen vor Ort helfen, unterstützen und zeigen sich solidarisch mit den Flüchtlingen, trotz verbalen Brandstiftern und Anschlägen, die Angst einjagen sollen. Oder vielleicht auch gerade, um gegen diesen Hass ihre Menschlichkeit und Solidarität zu setzen.

Wenn Europa sich weiter menschlich und solidarisch zeigt, wenn es auch Staatschefs und Politiker tun, kann auch der nahende Winter bewältigt werden. Um es mit  den Worten der liberalen Vordenkers des Arabischen Frühlings Iyad El-Baghdadi zu sagen: „Zu sehen, wie sich die Europäer anstellten, um zu helfen und muslimische Flüchtlinge willkommen zu heißen, hat  unzählige islamistische Extremisten aufgebracht und ihr Weltbild erschüttert.“ Hören wir nicht auf, das Weltbild jener, die Hass sähen, zu erschüttern.     

Lisa, freiwillige Helferin aus Österreich