Kaltes Wasser, warmes Essen und überteuerte Chips

Kaltes Wasser, warmes Essen und überteuerte Chips

Die aktuelle Situation stellt Österreich vor eine Herausforderung, die vor allem dank großer Hilfsbereitschaft aus der Zivilbevölkerung und der Arbeit Tausender Freiwilliger zu bewältigen ist.

Das Lager auf beiden Seiten der Grenze ist inzwischen sehr professionell organisiert. Es gibt beheizte Zelte mit Feldbetten, zentrale Essensausgaben, medizinische Versorgung, freiwillige Helfer und (zu wenige) freiwillige Dolmetscher und Experten des UNHCR. Slowenien hat in Šentilj zudem eine mobile Wasserversorgung für die nötigste Hygiene und Dixi-Toiletten, die jeden Tag geleert werden, aufgestellt. Während der Zugang für die Presse auf der österreichischen Seite extrem restriktiv ist – nur der österreichische Rundfunk ORF darf in Ausnahmefällen hinein – sind die Behörden in Slowenien offen für Journalisten.

Die Flüchtlinge selbst dürfen hingegen weder allein hinein noch hinaus, Absperrungen sind allgegenwärtig. Gleichzeitig fallen aber auch die freundlichen Helfer auf, die bemüht sind, zu tun, was möglich ist. Einmal am Tag kommt ein Wagen mit Zigaretten, Hygieneartikeln und Snacks. Die Preise sind überteuert, aber die Flüchtlinge haben keine Alternative – eine slowenische Kollegin von Planet TV erklärt mir „Es ist nicht richtig, dass er die Waren überteuert verkauft, aber es ist legal, wenn er eine Rechnung ausstellt.“ Und das tut er.

Die Flüchtlinge bleiben meist zwischen fünf und zehn Stunden in Šentilj, wie mir R. Golob vom slowenischen Katastrophenschutz erklärt. Alle zwei bis drei Stunden schickt die Polizei ein Kontingent von 500 Flüchtlingen über die Grenze, die Zusammenarbeit mit den Österreichern funktioniert gut. In Spielfeld werden die Schutzsuchenden wieder versorgt und mit Bussen und Zügen weiter transportiert, nach Graz, Wien oder an die deutsche Grenze.

Tereza und Katka, zwei freiwillige Helferinnen aus der Tschechischen Republik.

Flüchtlinge in Österreich

Das österreichische Innenministerium rechnet dieses Jahr mit 95.000 Asylanträgen, das entspricht im Verhältnis zur Bevölkerung etwa den deutschen Schätzungen von 800.000 Flüchtlingen in Deutschland im Jahr 2015.  Österreich rechnet mit 40.000 positiven Bescheiden noch dieses Jahr. 

Die aktuelle Situation stellt das Land vor eine Herausforderung, die vor allem dank großer Hilfsbereitschaft aus der Zivilbevölkerung und der Arbeit Tausender Freiwilliger zu bewältigen ist. Nahrung, Kleidung, Decken, Deutsch-Kurse – für fast alle unmittelbaren Bedürfnisse der Flüchtlinge gibt es inzwischen neu entstandene Gruppen und Vereine, zusätzlich zu Caritas/Diakonie und dem Roten Kreuz.

Wer kurzfristig helfen will, kann sich bei der Initiative „Team Österreich“ des ORF (Österreichischer Rundfunk) melden und wird dann dort zugeteilt, wo Hilfe benötigt wird. Andere Aufgaben wie die Betreuung von Flüchtlingen am Hauptbahnhof wurden mittlerweile ganz von einem privaten Verein namens „Train of Hope“ übernommen.

Der Staat hält sich zurück, ist aber seit einigen Wochen auch zunehmend aktiv und erfolgreich, etwa bei der Quartiersuche oder der Zurverfügungstellung von Nahrungsmitteln, freien Urlaubstagen für Beamte, die mithelfen wollen oder durch finanzielle Unterstützung.