Brexit für alle, alle für den Brexit?

Brexit für alle, alle für den Brexit?

 

Eine weitere Woche voller Emotionen für das Immer-weniger-Vereinigte Königreich. Nach manchen Irrungen und Wirrungen – die Sie hier nachlesen können – hat das Parlament am Montag, dem 13. März, die offizielle Einleitung des Brexit abgesegnet. Gerade noch rechtzeitig für Theresa May. Sie hatte Brüssel das Austrittgesuch vor Ende März angekündigt: wenigstens ein gehaltenes Versprechen. Von anderer Seite jedoch bekam die Premierministerin unerwartet heftigen Gegenwind.

Die RaChe des kilts

Der Schlag kam aus Edinburgh. Nicola Sturgeon, die Chefin der schottischen Regionalregierung,  stellt sich quer. Am Morgen des 13. März kündigte sie ein neues Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands an.

„Ich werde tun, was nötig ist, um zu garantieren, dass Schottland am Ende dieses Prozesses die Wahl hat. Die Wahl, entweder dem Vereinigten Königreich in einen harten Brexit zu folgen oder ein unabhängiges Land zu werden. (…) Seit vergangenem Juni waren meine Bemühungen vor allem darauf gerichtet, eine Einigung mit der britischen Regierung zu finden, einen Weg zur Versöhnung zwischen dem britischen Ja zum EU-Austritt und dem schottischen Nein dazu. (…) Wir stehen heute, soweit wir wissen, unmittelbar vor der Auslösung des Artikels 50, und eine solche Einigung ist nicht näher gerückt, die britische Regierung hat nicht den geringsten Schritt in Richtung Kompromiss gemacht. (…) Klar ist: Wenn Schottland in einer so wichtigen Frage wie der EU-Mitgliedschaft ignoriert werden kann, dann können seine Stimme und seine Interessen in jeder Frage ignoriert werden.“

 

Eine klare, selbstbewusste Position, vorgetragen mit gepflegtem schottischem Akzent, den Sie hier im Original hören können.

Ein referendum, schon wieder?

Wenn Ihnen das alles irgendwie bekannt vorkommt, seien Sie beruhigt, das ist keine Halluzination. Das letzte Mal, dass die Schotten darüber abstimmten, ob sie in Zukunft lieber solo weitermachen wollen, liegt nicht sehr weit zurück. Erst im September 2014 sagten 55 Prozent der Schotten „Nein“ zur Scheidung von London.

Die Situation hat sich seitdem allerdings unleugbar geändert. Als die Schotten für die Fortsetzung der Vernunftehe mit dem Königreich stimmten, konnten sie nicht wissen, dass Großbritannien sich seinerseits zwei Jahre später von der EU scheiden lassen würde. Und das wiegt umso schwerer, als sie selbst den Brexit ganz und gar nicht goutierten: 62 Prozent stimmten für den Verbleib in der EU. Kein Wunder, dass sie sich ärgern.

Nicola Sturgeons neuerliches Referendum ist also keine bloße Laune. Es trifft den Nerv der Schotten, deren Nationalgefühl – wie die BBC feststellt – im Aufwind ist. In den Sozialen Netzwerken hat die Ankündigung der schottischen Regierungschefin jedenfalls eine Flut von Reaktionen ausgelöst. Zu den einschlägigen Hashtags zählen #indyref2 oder #scotref. Das macht manchen sogar Angst (siehe Tweet rechts)

 

“Indyref2 wurde erst am Dienstag angekündigt, doch mein News Feed quillt schon jetzt über vor leicht erschreckenden Photoshop-Machwerken.“

Wenn es Sir Arthur Dayne aus Game of Thrones wirklich gäbe, würde ich darauf wetten, dass er Theresa May diese Worte mit auf den Weg gäbe:

Fest steht, dass Theresa May in den nächsten zwei Jahren noch einiges bevorsteht. Als wäre der Brexit nicht genug, hat sie jetzt auch noch die schottischen Unabhängigkeitsfans auf dem Buckel. Viel Glück damit.

charme-offensive der royals

Nachdem der Brexit nun akut wird, hat Großbritannien sich gefragt, wie es die öffentliche Meinung in Europa besänftigen könnte. Der rettende Einfall: London schickt nach Frankreich, was es an Charmantem, Zartem, Glamourösem und Raffiniertem zu bieten hat, sprich: Kate und William. Dem People-Magazin Gala ist der politische Hintergedanke nicht entgangen. „Glamour gegen Brexit-Frust“ titelte das Blatt – hellsichtig wie immer.

Wir haben den Dialog rekonstruiert, der sich zwischen der Gräfin von Cambridge und ihrem Gemahl entspann, nachdem sie erfahren hatten, dass sie auf Kommando-Mission auf den Kontinent gehen sollten. Er ist zugleich das unübersehbare Symptom der psychischen Erschöpfung eines Jahrhundert-Paars (siehe das gif rechts).

Kate, mit zusammengebissenen Zähnen:

„Darling, mein Lachmuskelkater wird langsam zur Hölle, und der Kleine hat es satt, überall mit hingeschleppt zu werden.“

William, etwas verkrampft

„Ich bitte dich, Liebling, halt noch etwas durch. Ganz Europa macht sich daran, uns auf ewige Zeiten zu hassen. Es geht um den Ruf unserer ruhmreichen Nation.“

 

Sie hat durchgehalten: Am Freitag, dem 17. März, trafen der Herzog und die Herzogin von Cambridge in Paris ein. Sie trafen Präsident François Hollande, lächelten umwerfend und grüßten die bewundernde Plebs mit unvergleichlicher Eleganz. Löbliche Bemühungen, aber man darf bezweifeln, dass königliche Besuche ausreichen werden, um London mit dem Rest Europas zu versöhnen. Dazu wird es wohl mindestens Emma Watson, Jude Law, Hugh Grant, Daniel Craig und Kate Moss brauchen. Wenn James Blunt nicht kommt, sind wir nicht allzu traurig.