Eritrea, Irak, Syrien, Afghanistan: Bunte Zeichnungen von Nationalflaggen schmücken die Schulzimmer des Ankunftszentrums. Die Lehrer bemühen sich um einen ordentlichen Schulunterricht und bringen spielerische Formen ein.
Die Unterrichtsbeteiligung der Jugendlichen ist unterschiedlich. Einige sind eifrig bei der Sache, andere blicken apathisch aus dem Fenster oder nicken zwischendurch ein. „Das Lernen der Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, sagt der Betreuer Saeed Jallaway, einst selber aus Eritrea geflüchtet und seit 15 Jahren in der Schweiz (siehe Portrait unten).
Nicht alle Jugendlichen sind jeden Tag in der Lage, ihre volle Leistungsbereitschaft abzurufen. Das liege nicht an der Motivation, sagt die Schulleiterin Sabine Aeschlimann, sondern daran, dass viele unter Schlafstörungen litten und sich am Tag schlecht konzentrieren könnten.
Auf die Jugendlichen wirken verschiedene Stress-Faktoren ein. Die Repression im Heimatland, das Erlebte auf der mehrjährigen Flucht nach Europa und die Situation nach der Ankunft in der fremden Umgebung. Die Anfangseuphorie, es „geschafft zu haben“, wird von der Erkenntnis verdrängt, erst mal zum Warten verdammt zu sein.
Denn wer sich im Asylverfahren befindet, ist nicht in der Lage, seine Gegenwart oder seine Zukunft zu gestalten. Es ist ihm kaum möglich, zu arbeiten oder eine Lehre zu machen. Das führt zu einem Verlust von Selbstwirksamkeit und von der Möglichkeit, sich in der Gesellschaft einzubringen. „Wenn sie realisieren, dass es nicht so schnell vorwärts geht, wie sie sich das wünschen, dann kann es häufig zu Frustrationen kommen“, bemerkt Katrin Pfrunder.
Im medialen Diskurs sei im Zusammenhang mit der Verletzbarkeit von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen oft von Menschenhandel, sexueller und körperlicher Gewalt als größte Gefahren die Rede, sagt Katrin Pfrunder. Diese Gefahren würden erwiesenermaßen existieren. Dabei werden andere Faktoren, die sich ebenso belastend auf die Psyche auswirken, ihrer Meinung nach häufig unterschätzt: „Zum einen die unsichere Zukunftsperspektive (…), zum anderen die ungenügenden Möglichkeiten, an dieser Gesellschaft teilzuhaben und sich mit den eigenen Fähigkeiten und Stärken einzubringen.“