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PLÖTZLICH GARÇONNE

Emanzipation. Zwischen den Weltkriegen lebten weibliche Stars extrovertiert und selbstbestimmt im pulsierenden Paris. Dabei entstand: ein neuer Typus Frau.

Sängerinnnen, Tänzerinnen, Schauspielerinnen: Die Französinnen Gaby Deslys, Sängerin Suzy Solidor und Mistinguett standen für den Lebensstil der modernen, extrovertierten Frau der 1920er (Illustration: (©) Deborah van der Schaaf)

Sexy Kostüme, Glanz und Glitzer, atemberaubende Auftritte – auf und abseits der Bühne. Nein, wir sprechen nicht von Madonna, Beyoncé oder Lady Gaga. Bereits vor 100 Jahren lebten Bühnenkünstlerinnen, die das Zeug zur Skandalnudel hatten. Doch wer waren diese wegweisenden Frauen? Und warum entwickelte sich ausgerechnet Paris in den Jahren 1919 bis 1939 zum Schmelztiegel der exzentrisch-hedonistischen Künstlerszene Europas? Zweifelsohne war die französische Hauptstadt nach dem Ersten Weltkrieg von einer vergleichsweise großen sozialen und religösen Freiheit geprägt, weshalb sie zum Auffangort für allerlei politische Exilanten wurde. Homosexualität wurde in Frankreich im Gegensatz zu England oder Deutschland nicht strafrechtlich verfolgt. Die Emanzipation der Frauen, vorangetrieben durch vermehrte Erwerbstätigkeit während des Krieges, findet ihren Ausdruck im neuen Frauentyp der Garçonne: Die selbstbewusste junge Frau mit kurzen Haaren nimmt sich bisher unvorstellbare Freiheiten. Es ist ein Gegenentwurf zum patriarchalischen Gesellschaftsbild, der auch internationale Künstler, die damals zahlreich nach Paris kamen, beeinflusste. Gleichzeitig brachten US-amerikanische Soldaten den Jazz in die Stadt. Er wurde zum Soundtrack des von Kreativität und Überschwänglichkeit geprägten Zeitgeists, der alles Exotische umarmte. Nach den Schrecken des Krieges wollte man das Leben in vollen Zügen genießen, Spaß haben, frei sein und die Welt entdecken.

Die Goldenen Zwanziger, die als eine Periode des Überschwangs in die Geschichte eingingen, endeten 1929 abrupt mit dem Börsencrash an der Wall Street und der damit verbundenen Weltwirtschaftskrise. Im Laufe der 1930er folgten für die wilden Frauen in Paris mehrere Rückschläge in Sachen Emanzipation: Der französische Senat lehnte das Frauenwahlrecht ab, die US-Soldaten zogen ab, immer mehr Varietétheater standen vor der Schließung. Und am Horizont: der Zweite Weltkrieg, in dem noch viel mehr Lichter erlöschen sollten.

Autorin: Carla Susanne Erdmann

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Dezember-Ausgabe des ARTE Magazins!

Den Frauen gehört die Nacht – Paris, 1919–1939

Dokumentarfilm, Sonntag, 2.12. | 22.15 Uhr
Online verfügbar bis zum 30. Januar 2019!

Kategorien: Dezember 2018