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julien.wilkens@axelspringer.de

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Zwei Monate reisten Julius und Manuel durch Australien, immer begleitet von einem Kamerateam. Ein Gespräch über echte Inklusion, Flugangst und Fast Food.

Freundschaft: Ob in Kiel oder Australien, Julius und Manuel verbringen gerne Zeit zusammen. Sie gehen zum Sport, zu Partys – oder Döner essen (© Frank Egel)

Vier Uhr nachmittags bei Garips Imbiss in der Kieler Innenstadt. Der mittägliche Ansturm ist vorbei. Julius Werner und ­Manuel ­Zube sind die einzigen Gäste – und immer gern gesehen. Erst letzte Woche waren sie hier. Die beiden hatten in der Nähe eine Party besucht, auf einmal war ­Manuel verschwunden. Wiedergefunden hat ­Julius ihn hier, mit einem Döner in der Hand. ­Julius war wütend, denn er soll ein Auge auf Manuel haben, wenn sie unterwegs sind. Sie sind aber auch Freunde, deshalb hat er ­Manuels Mutter nichts davon erzählt, dass ihr Sohn Döner gegessen hat, obwohl er eigentlich Diät halten soll. Julius war es auch, der sie überzeugte, ihren Sohn nach Australien reisen zu lassen – obwohl er mit Down-Syndrom geboren wurde.

arte Magazin: Wie kamen Sie auf die Idee zur gemeinsamen Reise?
Julius Werner:Als ich mich vor zwei Jahren vor einer Reise von Manuel verabschiedet habe, wollte er mitkommen. Ich habe sofort gesagt, dass das nicht geht. Später habe ich mich aber selbst gefragt: Warum eigentlich nicht? Als wir uns wiedergesehen haben, meinte ich: „Wenn du wirklich mit mir verreisen willst, Manni, dann machen wir das.“

arte Magazin: In Australien sind Sie dann viel rumgekommen: mit dem Zug ins Outback, mit dem Hubschrauber…
Julius Werner:Da wollte Manuel erst gar nicht mitfliegen. Ich habe dann einfach gesagt: „Gut, dann bleibst du eben unten.“ Das war für ihn neu, dass ich nicht mal versucht habe, ihn zu überreden. Er ist dann plötzlich doch eingestiegen. Am Ende war er total stolz, dass er sich getraut hat.
Manuel Zube:Die Zugfahrt ins Outback war schön, aber auch ziemlich lang. Wir haben viel geschlafen, weil wir so müde waren. Morgens mussten wir dann ordentlich früh raus, um den Sonnenaufgang anzuschauen. Das war ganz toll, den haben wir gefilmt. Aber ich hatte so Hunger. Zum Glück gab es dann Frühstück – mit Sekt!

arte Magazin: Die Kamera war die ganze Zeit dabei. Das war für Sie beide sicherlich ungewohnt, oder?
Julius Werner: Ja, wir wurden dauernd gefilmt, teilweise 16 Stunden am Tag. Das Team war toll, aber wir sind uns gegenseitig auch auf den Wecker gegangen – auch Manuel und ich. Zwei Monate waren wir permanent zusammen. Meistens haben wir uns sogar ein Bett geteilt. Und ­Manuel schnarcht ganz schön! Zum Einschlafen braucht er außerdem ein Nachtlicht. Das habe ich nach zwei Wochen nicht mehr ausgehalten. Da haben wir das Nachtlicht einfach „vergessen“. Und siehe da: Es ging auch ohne.

arte Magazin: Würden Sie noch mal zusammen verreisen?
Manuel Zube:Ja, sehr gerne noch mal genau dasselbe.
Julius Werner: Vielleicht eher nach Frankreich – so à la „Schlemmen mit Gérard Depardieu“, das würde Manuel bestimmt auch gefallen. In Australien haben wir spektakuläre Naturereignisse gesehen, zum Beispiel den Sonnenaufgang bei den zwölf Aposteln, da hat der Himmel gebrannt. Manu wollte aber lieber rein und Pommes essen. Da hätte ich mit ihm auch nach Dänemark reisen können.

Interview: Laura Sophia Jung

Das vollständige Interview finden Sie in der Dezember-Ausgabe des ARTE Magazins!

Manuel Down Under

5-tlg. Dokureihe, ab Montag, 10.12. | 17.10 Uhr
Je 60 Tage in der Mediathek!

Kategorien: Dezember 2018