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ZU TISCH: LA GOMERA

Sagenhaft. Die kleine Schwester von Teneriffa scheint unterschätzt, dabei hat sie viele Geschichten zu erzählen.

(© Antonia Hrastar)

Was würden die Kanarischen Inseln erzählen, wenn sie sprechen könnten? Die große Schwester Teneriffa wäre wohl stolz auf La Gomera, die zweitkleinste der Inselfamilie. Ein unterschätztes Genie der sieben Geschwister, das in der Schule eher still war und kein großer Star wie die Hauptinsel mit den vielen Hotels. Dabei lohnt es sich, die zwölf Millionen Jahre alte Vulkaninsel kennenzulernen, die zwar nur rund 60 Kilometer Luftlinie von Teneriffa entfernt liegt, aber einen völlig anderen Charakter hat.

Rundherum wechseln sich beeindruckende Steilhänge mit tiefen Schluchten ab, die zum Wasser hin immer flacher werden: im Norden tropisch geprägt, fruchtbar, voller Bananenstauden, Avocado- und Papaya-
bäume, im Süden karg, mit den faszinierendsten Kakteenarten. Versteckte Wasserfälle zeigen sich nur denen, die nach ihnen suchen, ebenso wie seltene Pflanzen, die es einzig auf den Kanaren zu finden gibt. Daneben große Palmen, aus denen Palmhonig gewonnen wird, oder Kräuter, die zur Küche La Gomeras gehören wie etwa Brunnenkresse. Märchenhaft zieht sich der größte zusammenhängende Lorbeerwald der Erde durch einen Teil der Insel. Er gehört zum Nationalpark Garajonay in der Mitte des Eilands, der am höchsten Punkt auf knapp 1.500 Metern liegt.

Der Legende nach lebte hier einst Prinzessin Gara. Der arme Bauernsohn Jonay aus Teneriffa verliebte sich in sie und fuhr täglich mit dem Floß zu seiner Geliebten. Als die beiden heiraten wollten, brach der Vulkan Teide auf Teneriffa aus und färbte das Wasser blutrot. Trotz der Katastrophe und des Widerwillens ihrer Eltern wollten Gara und Jonay zusammenbleiben und versteckten sich im Lorbeerwald. Als sie sahen, dass ihre Liebe keine Chance hatte, stießen sie sich eine Lanze aus Lorbeerholz in die Brust und starben gemeinsam. Doch das ist nur eine von vielen Geschichten der „Insel des Frühlings“, auf der es das ganze Jahr rund 25 Grad warm ist.

Das Rezept für Potaje de Berros – Brunnenkresse-Eintopf

Zutaten für 8 Personen

200 g weiße Bohnen (getrocknet)
ca. 500 g Brunnenkresse
4 Maiskolben
5 Knoblauchzehen
1 Teelöffel grobes Salz
2 Teelöffel Kreuzkümmel
500 g Schweinerippchen
Wasser
1 kg Kartoffeln

So geht’s:
1. Bohnen über Nacht in kaltem Wasser einweichen. Am Tag der Zubereitung durch ein Sieb abgießen.

2. Brunnenkresse mittelfein hacken, dabei Stiele entfernen. Maiskolben in je zwei bis drei Stücke schneiden. Knoblauch abziehen, mit dem Salz und dem Kreuzkümmel im Mörser zerstoßen.

3. Kartoffeln schälen, würfeln, zur Seite stellen.

4. Brunnenkresse, Maiskolben, Bohnen, Schweinerippchen und die Gewürze in den Kochtopf geben, mit Wasser bedecken, umrühren. Etwa 40 Minuten bedeckt köcheln lassen.

5. Die Kartoffeln dazugeben und weitere 20 bis 25 Minuten köcheln lassen. Nach Belieben mit Piment verfeinern und servieren.

Autorin: Karoline Nuckel

Zu Tisch: La Gomera

Esskulturdoku, Samstag, 23.09, 18.30 Uhr
Online verfügbar bis zum 22. Oktober!

Kategorien: September 2018