Debatte, Essen, Gesundheit, Vitamina
julien.wilkens@axelspringer.de

GRÜNER WIRD’S NICHT

Gesundheit. Brokkoli oder doch Pillen? Über Sinn und Unsinn von Vitaminpräparaten.

(© Zeloot)

Es ist wissenschaftlich bewiesen: Obst und Gemüse haben einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Dies liegt sowohl an den Mineralien, Ballast- und Pflanzenstoffen, die sie beinhalten, als auch an der Kalorienbalance, für die sie sorgen. Gleichzeitig dienen sie als natürliche Vitaminlieferanten. Vitamine sind organische Verbindungen, die für den menschlichen Organismus lebensnotwendig sind.
Seit 2009 werden diese komplexen Wirkungsweisen im Rahmen der „­NutriNet-
Santé-Studie“ untersucht, die vom französischen Forschungsinstitut für Medizin und Gesundheit (Inserm) durchgeführt wird und 160.000 Teilnehmer zählt. Fest steht: Eine Orange und eine Kiwi decken den täglichen Vitamin-C-Bedarf eines Menschen. Mittel, die dieselbe Menge an Vitamin C beinhalten, sind hingegen nicht ausreichend. Nach aktuellem Forschungsstand fordern Wissenschaftler deshalb einen Verzicht auf Nahrungsergänzungsmittel zugunsten einer ausgewogenen Ernährung. Auch wenn die Versuchung groß ist, sich auf eine Wunderpille zu verlassen: Sie ist keine Lösung.

→ Dr. Mathilde Touvier
Mathilde Touvier ist Expertin für Ernährungsmedizin. Als Wissen­schaftlerin am französischen Forschungsinstitut für Medizin und Gesundheit (Inserm) untersucht sie die Auswirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln.

Mehr als 1,1 Milliarden Euro geben allein die Deutschen jährlich für Vitaminpräparate aus, in ganz Europa sind es sechs Milliarden, in Nordamerika fast 13 Milliarden Euro. Viele Menschen gehen davon aus, dass unsere Böden nährstoffarm sind und unsere Nahrung nicht mehr genügend Vitamine und Mineralstoffe enthält. Das stimmt aber nicht. Moderne Düngemittel liefern die Nährstoffe, die die Pflanzen zum Wachsen brauchen Umfragen zeigen aber, dass viele Menschen weit weniger als die empfohlene Tagesdosis an Vitaminen zu sich nehmen. Das kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Ein Mangel an Vitamin C führt zu Skorbut, eine unzureichende Aufnahme von Vitamin D zu Pellagra und Osteoporose.
Es gibt also Fälle, in denen Vitaminpräparate sehr zu empfehlen sind. Pillen machen uns nicht gesünder, aber sie können helfen, dass wir uns besser fühlen.
„An apple a day keeps the doctor away“ funktioniert nur, wenn man dem Arzt den Apfel an den Kopf wirft. Ein bisschen mehr müssen wir manchmal schon tun, um gesund zu bleiben.

→ Prof. Joseph Schwarcz
Joseph „Joe“ Schwarcz ist Professor für Chemie an der McGill-Universität im kanadischen Montreal. Der gebürtige Ungar ist auch Autor des Buches „An Apple a Day “ (2007), das mit Ernährungs­mythen aufräumt.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des ARTE Magazins!

Vitamania: Wie viele Vitamine braucht der Mensch?

Dokumentarfilm, Dienstag, 25.09 | 20.15 Uhr

Online verfügbar bis zum 25. Oktober!

Kategorien: September 2018