Hashima, Japan, Schwerpunkt, Strukturwandel
julien.wilkens@axelspringer.de

RUINE IM MEER

Der Strukturwandel stellt Japan vor große Probleme. Das zeigt das Beispiel Hashima. Die verlassene Insel soll nun Touristen anlocken.

(© Aaron Paulson)

Kein Geld, keine Arbeit, wir müssen fort.“ Die Worte ihres Vaters klingen ­Yuka ­Tsuhida noch immer in den Ohren. Die Familie der heute 52-Jährigen lebte einst auf Hashima, einer Insel in der Bucht von Nagasaki. „Es war eine unbeschwerte Zeit“, erinnert sie sich. Bis zu jenem 15. Januar 1974, 
als die knapp 6.000 Be­wohner erfuhren, dass der Mitsubishi-Konzern das Kohle­bergwerk unter der Insel schließen werde, weil es unrentabel geworden war. „Binnen drei Monaten mussten wir gehen – ohne Aussicht auf Wiederkehr“, sagt Yuka.
Die Verantwortlichen in der Präfektur Nagasaki zerbrachen sich den Kopf, was mit Hashima geschehen sollte. An Plänen mangelte es nicht: Mal stellte sich ein Investor vor, der aus der Insel ein Casinoparadies nach dem Vorbild von Macau machen wollte. Mal sollte auf Gunkanjima, wie das 480 Meter lange, 160 Meter breite Eiland wegen seiner Schlachtschiffform auch genannt wird, ein Freizeitpark entstehen. Aus all dem wurde nichts – auch weil sich die strikten Nutzungsauflagen als zu großes Hindernis erwiesen. „Hashima ist ein bedeutender Ort der japanischen Kulturgeschichte“, sagt ein Beamter der Präfektur, „deshalb sollte die Insel in ihrer ursprünglichen Form erhalten bleiben.“
Davon ist freilich nicht viel übrig, wie die ARTE-Dokureihe „Japan von oben“ zeigt: Wind und Wetter haben die Vorzeigestadt, in der 1916 Japans erstes Stahlbeton-Hochhaus erbaut wurde, in einen Schutthaufen verwandelt. Dennoch nahm die Unesco den Ort 2015 in die Welterbeliste auf. „Darauf haben wir sehr lang gewartet“, so der Beamte, „nun können die Gäste kommen.“
Die zeigen bislang wenig Interesse, bemerkt David Palmer, Wirtschafts­historiker an der Uni Melbourne. Zwar stiegen die Besucherzahlen spürbar auf zuletzt 250.000 im Jahr 2016. „Andere Gedenkstätten in Nagasaki – der Friedenspark etwa oder das Glover House – locken aber regelmäßig etliche Millionen Menschen an. Sie werden besser gefördert und haben mehr zu bieten. Auf Hashima bröckelt indes nur der Beton, und die Eisenträger rosten.“

Autorin: Frank Lassak

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des ARTE Magazins!

Japan von oben

Dokureihe, ab Montag, 3.09 | 18.35 Uhr

je 90 Tage auf arte.tv

Schwerpunkt: Sieben Tage Japan

Kategorien: September 2018