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GEFÄHRLICHES COMEBACK

Seit 30 Jahren versucht die Weltgemeinschaft, das Ozonloch zu stopfen. Der Kampf ist langwieriger als gedacht – weil sich nicht alle an die Regeln halten.

(© Illustration: 
Tim Lahan)

„Unser Planet ist auf dem besten Weg der Genesung“, frohlockte ­Susan ­Solomon. Die Atmosphärenchemikerin am MIT in Boston hatte soeben die Ergebnisse ihrer Forschungen zum Ozonloch über der Antarktis veröffentlicht. Und die klangen in der Tat ermutigend: Seit Beginn ihrer Messungen 2000 war das Loch um vier Millionen Quadratkilometer geschrumpft, eine Fläche etwa so groß wie Indien. „Die Chancen stehen gut, dass die Ozonschicht bis Mitte des Jahrhunderts wieder komplett geschlossen ist“, schrieb ­Solomon auf der Website des MIT am 30. Juni 2016.

Im sogenannten Montreal-Protokoll, über dessen Inhalt und Entstehung ARTE in der Wissenschaftsdoku „Mission Ozonloch“ berichtet, verpflichteten sich 1987 alle 197 UN-Mitglieds­staaten, Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und verwandte Substanzen weder herzustellen noch zu verwenden. Für die zumeist als Treibmittel in Spraydosen und Bauschäumen oder als Kühl- und Isoliermittel benutzten FCKW fanden sich rasch Ersatzstoffe ohne ozonschädigende Wirkung. Seither wacht das sogenannte Ozon-Sekretariat der UN darüber, dass sich die Mitglieder an das Protokoll halten.

Neuerdings haben die Ozon-Wächter etwas mehr zu tun. Im Mai dieses Jahres berichteten ­Stephen ­Montzka und sein Team vom Institut für Atmosphärenwissenschaften in Boulder, USA, über hohe Konzentrationen der verbotenen Substanz Trichlorfluormethan (CFC-11) in Ostasien. Während die Fachwelt noch rätselte, woher der jüngste Angriff auf die Ozonschicht rührte, lieferte die Umweltorganisation Environmental Investigation Agency (EIA) im Juli die Erklärung: Trotz Verbots hatten Dutzende chinesische Firmen über Jahre hinweg CFC-11 produziert und sogar exportiert. Und sie tun es noch. Abnehmer für den Ozonkiller gibt es zuhauf, denn in China und angrenzenden Ländern boomt der Bausektor, und CFC-11 ist für die Produktion des als Dämmstoff verbreiteten Polyurethanschaums besser geeignet als die meist teureren Ersatzstoffe.

Ozon-Gangster gibt es allerdings nicht nur in Fernost, sondern auch hierzulande. Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) entweichen beim Recycling alter Kühlgeräte in Deutschland beträchtliche Mengen FCKW.Das Entsorgen der Ozonschädlinge übernähmen oft unseriöse Firmen, deren Verfahren nicht sorgfältig überprüft würden.

Zwei Monate vor dem Welt-Ozon-Tag, der am 16. September gefeiert wird und unter dem optimistisch klingenden Motto „Keep cool and carry on“ steht, erinnerte ­Tina ­Birmpili, Vorsitzende des Ozon-Sekretariats, bei einem Treffen im Juli in Wien denn auch daran, dass der Kampf um die Erhaltung der Ozonschicht noch längst nicht gewonnen sei.
So wird die Liste der verbotenen Substanzen immer umfangreicher – auch weil sich einige vermeintlich ungefährliche Ersatzstoffe im Nachhinein als Treibhausgase entpuppten, die den Klimawandel verstärken: die berüchtigten Fluorkohlenwasserstoffe (HFC) etwa. Sie sind ab Januar 2019 verboten. „Wir müssen weiterhin jederzeit wachsam sein“, sagt ­Birmpili mit Blick auf den aktuellen CFC-11-Skandal in China, der beim kommenden Jahrestreffen der Montreal-Gruppe im November ganz oben auf der Agenda stehen wird.

Autor: Frank Lassak

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des ARTE Magazins!

Mission Ozonloch:
Wie wir die Erde gerettet haben

Wissenschaftsdoku, Samstag, 1.09 | 21.45 Uhr

Kategorien: September 2018