Essay, Leonard Bernstein, Leonard bernstein Forever
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AKRIBISCHER MENSCHENFREUND

Stardirigent, Society-Mann und beherzter New Yorker: Leonard Bernstein verschaffte der Klassik Glamour und Beachtung.

                                                                                       (© TIM MÖLLER-KAYA)

Es gibt eine Facette Leonard Bernsteins, die ein Großteil der ihn umgebenden Menschen immer für selbstverständlich genommen hat: Kritiker zeichneten von ihm stets das Bild des großen Improvisators, der intuitiv und emotional dirigierte. Tatsächlich jedoch war alles bei Bernstein akribisch geplant, Stunden und Tage flossen in die Recherche, nächtelang kritzelte er Notizen in seine Partituren, sei es zu der Lautstärke, dem Tempo oder der Artikulation. Anders ging es nicht. Denn was ihn auszeichnete, war seine Stärke in der Zusammenarbeit. Er wusste zu führen und er wusste zuzuhören. Und dafür musste er vorbereitet sein.
Ich erinnere mich noch, wie ich eines Morgens an seiner Hotelsuite in Wien anklopfte, um sicherzugehen, dass er sich für die Vormittagsproben von Beethovens Siebter mit den Wiener Philharmonikern vorbereitete. Und da saß er im Morgenmantel, Zigarettenstummel und lauter schmutzige Kaffeetassen vor sich, und sagte: „Sag mir nicht, dass es Zeit ist. Ich habe festgestellt, dass ich die Partitur überhaupt nicht kenne. Die ganze Nacht habe ich nach Ansätzen dafür gesucht.“ In Wahrheit kannte er das Werk ausgezeichnet, er hatte es oft dirigiert. Aber er wollte einen frischen Zugang – und, glauben Sie mir, am Ende war diese Vorstellung in Wien überwältigend! Kein Mensch kann in der Zusammenarbeit mit anderen brillieren, wenn er nicht deren Gesellschaft schätzt.

Autor: Craig Urquhart

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der August-Ausgabe des ARTE Magazins!

Leonard Bernstein – Das zerrissene Genie

Porträt, Donnerstag, 19.8 | 23.55 Uhr

Online verfügbar bis zum 16. November auf arte.tv

Kategorien: August 2018