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IM LAND VOR UNSERER ZEIT

Expedition Europa: An Englands Jurassic Coast und in Spaniens Desierto de Tabernas lässt
sich die Entstehung des Kontinents erfahren. Eine Entdeckung.

(© WOLFGANG HUSCHMANN)

Es gibt Orte in Europa, an denen lässt sich die Geschichte der Erde förmlich mit den Händen greifen. Am Ural, gezeichnet von der geologischen Geschichtsschreibung. Am Bosporus oder auf den Azoren, wo sich noch heute das Auseinanderdriften der Kontinente beobachten lässt. In der Mitte des europäischen Festlands, im kraftvollen Zentrum des Erdteils, erinnert das Matterhorn wiederum an den gigantischen Zusammenstoß zwischen Eurasien und der afrikanischen Kontinentalplatte vor über 40 Millionen Jahren. Der Berg, der massiv und karg in die Höhe ragt, ist ein Überbleibsel dieser Kollision und diese wiederum Teil einer sich stetig fortsetzenden Reibung und Bewegung. Und auch die Gesteinsschichten der Vulkane des Zentralmassivs oder des Bayerischen Walds legen Zeugnis davon ab, wie sich im Laufe der Jahrmillionen die Kontinentalplatten immer wieder verschoben haben. Ein ganz besonders faszinierender geologischer Hotspot ist vielen jedoch unbekannt: die Wüste von Tabernas, die sich in Andalusien über die spanische Provinz Almería erstreckt. Ja, es gibt sie, die Wüste Europas, eine genauso beeindruckende wie unwirtliche Region. Ein Mikrokosmos, der einzigartig ist, vor allem in Europa. Sie symbolisiere das Fremde, das Andersartige, hielt der Vater der Geschichtsschreibung, der griechische Schriftsteller Herodot, vor rund 2.500 Jahren über die Wüste fest. Und wer den Landstrich des Desierto de Tabernas erkundet, sieht sich in diesem Gefühl sicherlich bestätigt. Die einzigartige Symphonie aus Hitze und Stille lässt innehalten und gleichzeitig verzückt erschaudern.
Die nach der spanischen Ortschaft Tabernas benannte Wüste war bis vor rund zwei Millionen Jahren Teil des Meeresbodens. Nachdem der Wasserspiegel gesunken war und sich die Gegend in ein mit Sand, Ton, Gips und Schlamm bedecktes Sedimentbecken verwandelt hatte, entstand durch Regen, Sonne und Wind im Laufe der Jahrtausende eine besondere Relief­struktur mit von Erosionsrinnen gezeichneten Hügeln. In der englischen Sprache hat man für diese zerfurchten, verwitterten Gegenden den Begriff „Badlands“, schlechtes Land, gefunden. Scharfe Canyons, tiefe Schluchten, Spuren der Erosion und des Abschliffs. Aufgrund einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von weniger als 240 Millimetern pro Jahr handelt es sich nicht nur um einen der trockensten, sondern auch einen der heißesten Landstriche Europas. Zum Vergleich: Am nördlichsten Zipfel des europäischen Festlands, dem norwegischen Kinnarodden, gibt es 248 Regentage. Genau genommen qualifiziert sich aus Sicht der Geologen die Desierto de Tabernas allerdings lediglich als Halbwüste: Klima und Vegetation haben nicht die extremen Auswüchse echter Wüsten. Auch von seinen Ausmaßen her ist das rund zehn mal zwanzig Kilometer große Areal zu klein, um mit der grenzenlosen Weite der Sahara konkurrieren zu können.
Mit ihren skurrilen abgestorbenen Baumstümpfen, ihren kargen Sandhügeln sowie den sukkulenten Halbsträuchern und hochwüchsigen Gräsern eignete sich die Ödnis von Tabernas hervorragend als Filmkulisse. Ob ­Henry Ford, ­Peter O’­Toole, Clint ­Eastwood, Sean ­Connery, ­Arnold ­Schwarzenegger oder ­Harrison Ford – sie alle haben schon hier vor der Kamera gestanden.

Autor: Ralf Nestmeyer

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Expedition Europa

Wissenschaftsdoku, Donnerstag, 16.8 | 18.30 Uhr

Online verfügbar bis zum 16. August auf arte.tv

Kategorien: August 2018