Flugzeug, Kalter Krieg, Luftbrücke
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LUXUS, CANDYS UND SOLDATEN

 
Die Douglas DC-3 ist das meistgebaute Verkehrsflugzeug der Welt und revolutionierte die zivile sowie die militärische Luftfahrt.

(© ALAMY)

Die kurzen Phasen der Stille werden minütlich von Motorengeräuschen zerschnitten. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht, fliegt eine Propellermaschine nach der anderen nur wenige Meter über die Dächer der Hauptstadt hinweg. Kurz vor der Landung fallen Päckchen an kleinen Fallschirmen aus den Fliegern und regnen über die zerstörten Häuser. Noch bevor die Pakete am Boden ankommen, werden sie von unzähligen Kinderhänden vom Himmel gepflückt. „Wir haben damals hungern müssen, hatten nicht mal Heizmaterial“, erinnert sich ­Boris ­Franzke, der die Berliner Luftbrücke vor 70 Jahren miterlebt hat und in der ARTE-Dokumentation über die DC-3 als Zeitzeuge befragt wird. „In den Paketen waren Sachen, die wir gar nicht kannten: Kaugummi, Schokolade, Milchpulver, Trockenmöhren“, sagt der heute 78-Jährige. Nachdem die sowjetische Besatzung vor genau 70 Jahren, am 24. Juni 1948, alle Landwege nach West-Berlin blockiert hatte, versorgte die Luftwaffe der Alliierten zwei Millionen Einwohner mehr als ein Jahr lang mit allem, was zum Überleben notwendig war – darunter Kohle und Carepakete mit Lebensmitteln und Süßigkeiten. Der Mythos der „Rosinenbomber“ (englisch: „Candy Bomber“) war geboren. Geflogen wurde unter anderem mit der Douglas DC-3, jener robusten Maschine, die den Alliierten bereits im Zweiten Weltkrieg unschätzbare Dienste erwiesen hatte. Und die bis heute fliegt.

In Form und Funktion setzt die Maschine Maßstäbe im Luftverkehr: frische Küche, getrennte Toiletten, Raucherlounge. Bis 1941 sind vier der fünf in den USA verkehrenden Passagiermaschinen vom Typ Douglas DC-3. Mit Kriegseintritt der USA 1941 wird sie jedoch umgetauft: Als Militärvariante C-47 Skytrain wird sie mit 1.200 PS starken Sternmotoren ausgerüstet und zunächst im Pazifikraum eingesetzt.
Am D-Day, dem 6. Juni 1944, bringen die Flugzeuge 50.000 Fallschirmjäger und Hunderte Lastensegler in die Normandie und hinter die deutschen Linien. Da sich die robuste Maschine als nahezu unfallfrei erweist, wird sie bis Ende des Zweiten Weltkriegs in großer Stückzahl produziert. Mehr als 10.000 verlassen bis 1945 die verschiedenen Douglas-Werke in den USA. Nach dem Krieg wird die DC-3 zum preiswerten Einstiegsmodell für zivile Fluggesellschaften – auch bei europäischen Airlines wie Swiss Air, Lufthansa und Air France.

In den folgenden Jahrzehnten gerät die DC-3 fast in Vergessenheit – bis in den 1990ern Forscher auf immer noch gut erhaltene Oldtimer stoßen. Sie rüsten die Maschinen mit Skiern, Turbopropellern und modernem Cockpit aus, um Erkundungstouren zum Nordpol zu starten. Etwa 600 Exemplare der DC-3 werden wegen ihrer robusten Bauweise auch heute noch in extremen Regionen der Erde eingesetzt. Sie bringen Passagiere und Materialien in entlegene Amazonas‑
gebiete, unwirtliche Eislandschaften oder dürre Wüsten. Außerdem restaurieren immer mehr Liebhaber mit dem nötigen Kleingeld die bis zu 80 Jahre alten Modelle für Touristenflüge.

Autor: Julian Gutberlet

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Juli-Ausgabe des ARTE Magazins!

Die DC-3Story

Geschichtsdoku, Dienstag, 24.7 | 21.45 Uhr

Online verfügbar bis zum 22. August auf arte.tv

Kategorien: Juli 2018