Grease, hollywood, John Travolta, Summer of Lovers
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COOL, ABER SOFT

 
Er war Sexsymbol, Idol, Frauenschwarm – damals. Die glorreichen Jahre John Travoltas liegen einige Zeit zurück. Und doch ist der Nimbus des heute 64-Jährigen auch 40 Jahre nach „Grease“ ungebrochen. Das ARTE Magazin traf den Hollywoodstar zum Gespräch in Cannes.

(© Getty Images)

„Summer lovin’, had me a blast …“ – spätestens wenn John Travolta­ vor einem sitzt und plötzlich einen Song aus „Grease“­ anstimmt, ist sie wieder da: die Strahlkraft dieses Gesamtkunstwerks, das seit genau 40 Jahren immer neue Generationen vereinnahmt und stets mehr war als ein Tanzfilm. Angesichts der immer kürzeren Halbwerts­zeiten moderner Filme wirkt die Situation umso stärker. Das gilt auch für den Darsteller selbst: Denn der 64-Jährige verkörpert eine vom Aussterben bedrohte Spezies – den Filmstar.

In den 1970ern prägte er ein neues Männerbild: einen gebrochenen Helden, der nicht dank physischer Auseinandersetzungen zur Legende wurde, sondern durch seine Wendigkeit auf der Tanzfläche. Das sensible Sexsymbol, das seine inneren Brüche gekonnt zu überdecken wusste. Nach den stilprägenden Erfolgen von „Saturday Night Fever“ (1977) und „Grease“ (1978) kehrte er zwei Jahrzehnte später mit „Pulp ­Fiction“ (1994) triumphal zurück – als tragikomischer Antiheld, der seine Sexyness und Coolness unverblümt strumpf­sockig aufs Parkett bringt (inklusive Fortleben als Internet-Phänomen).

Seine Begeisterungsfähigkeit verbindet ­Travolta, der 1954 als jüngstes von sechs Kindern italienischer und irischer Einwanderer an der Ostküste der USA geboren wurde, auch mit einem kreativen Ethos. „Ich darf mir nicht zu sehr über das Endresultat eines Films den Kopf zerbrechen. Für mich zählt die Integrität der Absicht, die Herangehensweise an diese Geschichte und die Figur. Du musst es ehrlich versuchen, aus gutem Material das Beste zu machen. Dafür kann dich niemand kritisieren. Wenn du diesen Grundsätzen nicht treu bleibst, dann schadest du dir selbst.“

Auf die 1970er blickt der Schauspieler mit einer gewissen Wehmut zurück, als experimentelle Filme noch zum Mainstream von Holly­wood gehörten. Kreativ tobt sich der Altstar deshalb mittlerweile vor allem in unabhängigen Produktionen aus. Sein letzter Studiofilm, die Thriller-Adaption­ „Savages“ (2012), ist inzwischen sechs Jahre her. Travolta­ weiß, dass er nicht mehr 20-Millionen-Dollar-Gagen kassieren kann wie einst. Aber er nimmt das mit eleganter Nonchalance: „Jeder versucht doch, einem Schauspieler weniger zu zahlen. Damit ist nichts über deinen eigentlichen Wert ausgesagt. Ich mache das Gleiche: Wenn ich einen Armani-­Anzug für tausend statt für dreitausend Dollar bekomme, schlage ich zu. An Qualität und Design ändert sich ja nichts. Deshalb nehme ich das niemandem übel. Jeder will den besten Deal machen.“

John Travolta ist jemand, der gerne über den Dingen steht – und schwebt. Schon als Junge, der in der Einflugschneise eines Flughafens aufwuchs, träumte er von einem Leben als Flieger. Inzwischen nennt ­Travolta fünf Flugzeuge sein Eigen, darunter eine Boeing­ 707-138B. Sein Haus hat eine eigene Start- und Landebahn. Wer ­Travolta über sein Hobby sprechen hört, erlebt endgültig einen Mann, der mit sich im Reinen scheint – trotz der Zerrissenheiten und Verlockungen, die das Leben in Holly­wood mit sich brachte, und trotz der Kritik an seinem Engagement für eine hoch umstrittene Sekte. „Das Fliegen ist eine wunderbare Flucht – nicht nur vor der Arbeit, sondern vor der ganzen Welt. Du durchlebst jedes Mal einen magischen Mix an Empfindungen.“ Manche Schauspieler verlieren den Boden unter den Füßen und stürzen spektakulär ab. John ­Travolta weiß, wie man souverän abhebt – und oben bleibt.

Autor: Rüdiger Sturm

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Juli-Ausgabe des ARTE Magazins!

John Travolta – Rückkehr nach Hollywood

Porträt, Freitag, 27.7 | 22.10 Uhr

Online verfügbar bis zum 9. August auf arte.tv

Saturday Night Fever

Tanzfilm, Sonntag, 29.7 | 22.05 Uhr

Kategorien: Juli 2018