Dita von Teese, glamour
julien.wilkens@axelspringer.de

GLAMOUR IST KUNST

Sie lebt die goldene Ära Hollywoods, verwebt Erotik und Feminismus – und kündigt bei ARTE den „Summer of Lovers“ an: Burleske-Star Dita Von Teese über Liebe, Flirts und #MeToo.

Dita von Teese(© Georges Antoni)

Es braucht gut zwei Stunden und die akribische Arbeit von zwei Make-up- und Hairstylisten, bis aus ­Heather Renée Sweet die Kunstfigur Dita Von Teese wird. Jeder Handgriff sitzt, wenn die pechschwarz gefärbten Haare, die ursprünglich blond waren, zur Kunstwelle gefönt und gelegt werden. Die berühmte Burlesque-Tänzerin zupft und kaschiert jede Strähne selbst nach – es ist ihr wichtig, dass die Optik passt, eine perfekte, nostalgische Inszenierung der Goldenen Ära der 1950er Jahre und deren Romantik. Für ARTE ist Von ­Teese in diesem Jahr das Gesicht des „Summer of Lovers“. Dafür stehen heute ein Fotoshooting und Videodrehs in den „Loyal Studios“ von Los Angeles an. Als nach mehrstündigen Aufnahmen alles im Kasten ist, nimmt sie sich Zeit für ein Gespräch mit dem ARTE Magazin.

ARTE Magazin: Sie begleiten uns durch den „Summer of Lovers“ bei ARTE. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zur Liebe?
Dita Von Teese: Mittlerweile bevorzuge ich Liebe, die schön und entspannt ist. Turbulente Liebesbeziehungen, wie ich sie früher hatte, brauche ich nicht mehr. Lieber Emotionen wie beim ruhigen Segeln. So versteht man nach und nach, worum es in der Liebe eigentlich geht.

ARTE Magazin: Wer war der erste Prominente, in den Sie sich verliebt haben?
Dita Von Teese: Das muss ­Gregory Peck gewesen sein. Meine Mutter und ich sahen gemeinsam den Film „Gentlemen’s Agreement“. Dieser hochgewachsene, dunkelhaarige Mann mit tiefer Stimme, diese Art von Mann ist mir bis heute die liebste.

ARTE Magazin: Als Sie erstmals als Striptease-Tänzerin auftraten war das Ihre persönliche Form der sexuellen Befreiung?
Dita Von Teese: Ich bin in Michigan auf dem Land aufgewachsen und träumte schon als Kind davon, sein zu können wie die Frauen in den alten Hollywood-Filmen der 1940er Jahre. Ich wurde Tänzerin, war aber nie gut genug, um davon leben zu können, sah mittelmäßig aus. Ich war ein blondes, einfaches Mädchen, das aber mit Mainstream wenig anfangen konnte. Im Burlesque-Tanz sah ich die Möglichkeit der Kreation, die Kunst des Glamours. Das hat mich mehr fasziniert als alles andere. Heute kommen Zehntausende zu meinen Shows, darunter auch viele Frauen, die meine Kunst anspricht, weil sie erkennen, dass auch sie glamourös sein können.

ARTE Magazin: Sie spielen mit Erotik, Ihr Körper ist ein Objekt der Begierde. Gleichzeitig sind Sie eine bekennende Feministin. Wie passt das zusammen?
Dita Von Teese: Als ich Burlesque-Tänzerin wurde, hatte ich nicht erwartet, Feministin zu werden. Das passierte einfach. Zu Beginn meiner Karriere in den 1990ern hatte ich in erster Linie männliche Fans, weil ich im Playboy erschienen war. Nachdem ich mein erstes Buch veröffentlicht hatte, das meine Lebensgeschichte erzählt, folgten mir auch immer mehr Frauen. Dass ich mich verletzlich gezeigt und mich und meine Geschichte erklärt habe, hat sie vermutlich angesprochen. Inzwischen bin ich zu einem ungewöhnlichen Vorbild geworden, indem ich Fetisch und Pin-up mit Feminismus verbinde. Daraus ist eine Art alternative feministische Bewegung geworden.

ARTE Magazin: Haben sich diese Grenzen durch #MeToo verschoben?
Dita Von Teese: Es ist interessant zu sehen, was solche Bewegungen bewirken. Die Äußerungen erschrecken ja selbst emanzipierte Männer. Dass wir offen sprechen und das Feld neu abstecken, ist wichtig. Ich glaube daran, dass sich die Diskussionen um #MeToo und Erotik verbinden lassen. Dass jeder etwas einfühlsamer reagieren kann und wir respektvoller miteinander umgehen können. Das ist genauso möglich wie für mich, Burlesque und Feminismus zu vereinen.

Interview: Andreas Renner

Das vollständige Interview lesen Sie in der Juli-Ausgabe des ARTE Magazins!

Kategorien: Juli 2018