Berlin, Klassik, MUSIK, Staatsoper Berlin Unter den Linden
julien.wilkens@axelspringer.de

DIE LADY UND IHRE GENTLEMEN

Im Juni zeigt ARTE Verdis Oper „Macbeth“. In den Hauptrollen: Anna Netrebko und Plácido Domingo unter der Leitung von Daniel Barenboim. Über die gegenseitige Verehrung und Zusammenarbeit dreier Giganten.

(© Getty Images / Illustration: Selman Hoşgör)

Er nennt sie bei ihrem Kosenamen Anja und vergleicht sie mit Maria Callas.­ Sie findet, er sei der perfekte Gentleman und habe selbst die „Stimme eines Genies“ – wann immer ­Anna Netrebko­ und ­Plácido ­Domingo aufeinandertreffen, dann überschlagen sich die Komplimente, dann sprühen die Funken.
Unter der Leitung von ­Daniel ­Barenboim werden die beiden an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin das wohl düsterste Ehepaar der Operngeschichte mimen. „Diese Tragödie ist eine der großartigsten menschlichen Schöpfungen“, schrieb ­Verdi 1846 an seinen Textdichter ­Francesco ­Maria Piave­ über ­Shakespeares Drama „­Macbeth“. Seinem Auftraggeber ­Alessandro ­Lanari, dem Intendanten des Florentiner Teatro della Pergola, versicherte er allerdings, dass das Sujet der Oper „weder politisch noch religiös“ sei, sondern „phantastisch“ – womöglich in dem Wissen, dass er mit dem Verzicht auf die übliche Liebesgeschichte, und damit auf die tragende Tenorrolle, ein kommerzielles Wagnis einging. Denn Liebe ist es nicht, was das Paar verbindet, sondern der Ehrgeiz, die Wollust der Macht. Gespenstisch, finster, abgründig sind die Charaktere: ­Macbeth, ein Königsmörder und verbrecherischer Regent und doch „ein Mann unter Einfluss“ seiner skrupellosen Frau.

Domingo war Netrebko­ 1997 als Blumenmädchen in der „Parsifal“-­Produktion unter ­Valery Gergiev­ aufgefallen, in der er die Hauptrolle sang. Dringend riet er ihr, sich bei seinem Gesangswettbewerb Operalia anzumelden. Was sie allerdings nicht tat, weil sie nicht „der Typ für Wettbewerbe“ sei.
Weit bis ins letzte Jahrhundert reicht auch die künstlerische Freundschaft zwischen ­­Plácido Domingo und ­Daniel Barenboim.
In den folgenden Jahren sollten sich ihre Wege immer wieder kreuzen, auf der Bühne, in gemeinsamen CD-Produktionen und sogar im Film – in der Dokumentation „Tangos unter Freunden“ von 1997 sangen und improvisierten die beiden am Klavier. Auch in ­Barenboims­ „Ring“ von 1991 war ­Domingo mit von der Partie; der Plan, 2001 den ersten Akt von Wagners „Walküre“ in Jerusalem aufzuführen, scheiterte allerdings.

Mit ­Anna Netrebko­ verbindet Barenboim­ ebenfalls eine lange künstlerische Freundschaft. Mehrfach gastierte sie an der Berliner Staatsoper und gab mit ­Barenboim als Begleiter sogar Liederabende mit russischen Romanzen. „Anna kann frei über mich und dieses Opernhaus verfügen“, sagt ­Barenboim voller Bewunderung.

Mit Spannung wird nun erwartet, wie die drei Superstars ihren Figuren jene tinta musicale, jenen individuellen Klang beigeben, der so typisch für Verdi­ ist.

Autorin: Teresa Pieschacón Raphael

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Juni-Ausgabe des ARTE Magazins!

Aus der Staatsoper unter den Linden Berlin: Macbeth

Oper, Donnerstag, 21.6 | 20.15 Uhr

Online verfügbar bis zum 20. Juli auf arte.tv

Kategorien: Juni 2018