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WIR VERLIEREN DIE WIRKSAMSTE WAFFE

Zu oft, zu lange, bei Viren: Vor allem die falsche Einnahme von Antibiotika lässt resistente Bakterien entstehen.
Diese fordern allein in der EU mehr als 25.000 Todesopfer pro Jahr. Forscher suchen nach Alternativen.

(© Getty Images)

Knapp 90 Jahre ist es her, dass der schottische Bakteriologe ­Alexander Fleming eine Bakterienkultur in seinem Labor vergaß und bei seiner Rückkehr aus
dem Urlaub eine Sensation entdeckte. Durch die Luft fliegende Pilzsporen hatten den Keimen den Garaus gemacht. Es war die Geburtsstunde des Penizillins
und vieler anderer Antibiotika, die fortan Millionen Menschen das Leben retten sollten. Doch diese Waffe wird stumpf: Immer mehr Bakterien bleiben von ihr unbeeindruckt – sie sind multiresistent.

Multiresistente Bakterien haben ihr Erbgut so verändert, dass ihnen viele Antibiotika nichts mehr anhaben können. Dabei hat der Mensch selbst dazu beigetragen: durch die sorglose und flächendeckende Anwendung von Antibiotika in Tier- und Humanmedizin, die auf die Mikroorganismen wie ein Trainingsreiz wirkt. Ein von der britischen Regierung beauftragtes Expertengremium schätzt, dass ab 2050 jedes Jahr rund zehn Millionen Menschen
weltweit an resistenten Erregern sterben, wenn man nichts gegen das Problem unternimmt.

Doch es gibt vielversprechende Ansätze. So arbeitet man an der Universität Bern an winzigen Nano-­Liposomen, die sich nicht an den Bakterien, sondern
deren Giften andocken und sie neutralisieren. Da dieser Angriff nicht den Keim selbst betrifft, kann er auch keine Resistenz entwickeln. Holländische Forscher
setzen hingegen auf körper­eigene Antibiotika des Menschen, die antimikrobiellen Peptide. Sie wirken eher physikalisch, indem sie Löcher in die Wände von
Bakterien bohren, wogegen sie ebenfalls keine Resistenz entwickeln kann.

Aktuell setzen Wissenschaftler ihre Hoffnung zudem auf neu entdeckte tropische Pilzarten, die eine antibiotische Wirksamkeit versprechen.
Daneben gelten mittlerweile auch Heilpflanzen wie Zimt, Thymian und sogar mittelalterliche Kräuterrezepte als Kandidaten im Kampf gegen die Multi­resistenz.

Autor: Jörg Zittlau

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Die Penizillin-Story

Wissenschaftsdoku, Dienstag, 26.6 | 21.45 Uhr

Online verfügbar bis zum 23. September auf arte.tv

Kategorien: Juni 2018